Das Risiko, einen Gebrauchtwagen mit einem manipulierten Tacho zu kaufen, ist heutzutage relativ hoch. Aktuelle Untersuchungen gehen davon aus, dass bei etwa einem Drittel aller verkauften Gebrauchtwagen der Tachostand verändert wurde. In diesem Beitrag teile ich mit Dir drei Tipps, wie Du eine Tachomanipulation erkennen kannst.

Eine Manipulation des Tachos ist für Gebrauchtwagenhändler ein lohnendes Geschäft. Mit ein wenig Expertenwissen sowie passender Technik kann der Tachostand schnell um mehrere zehntausend Kilometer reduziert werden. Der Wert des Gebrauchtwagens lässt sich dadurch um einige tausend Euro steigern. Obwohl Tacho-Betrug seit 2005 gesetzlich verboten ist, scheint die einfache Vorgehensweise einige Händler dennoch dazu zu verleiten.

Die Tachomanipulation erfolgt in der Regel durch einen Eingriff in die Fahrzeugelektronik bzw. in das jeweilige Steuerprogramm. Hier kann mittels spezieller Lesegeräte, die an die OBD-Schnittstelle (OBD = On-Board-Diagnose) angeschlossen werden, der reale Tachostand einfach durch eine neue Angabe überschrieben werden. In den folgenden Tipps erfährst Du, wie Du eine Tachomanipulation erkennen kannst.

Tipp 1: Abnutzung des Autos prüfen

Bei jeder Autofahrt sitzt in der Regel ein Fahrer am Steuer, der das Lenkrad, den Sitz, die Pedale sowie den Schalthebel benutzt. Daher ist es ratsam, sich bei einem Gebrauchtwagen die Fahrerseite im Innenraum sehr genau anzuschauen. Hier können übermäßige Abnutzungsspuren am Lenkrad, abgewetzte Pedale oder ein aufgerissenes Sitzpolster darauf hinweisen, dass der Wagen wahrscheinlich mehr als die angegebenen 75.000 km hinter sich hat.

Neben dem Innenraum kannst Du auch außen am Fahrzeug einem Tacho-Betrug auf die Schliche kommen. Achte speziell auf stark abgefahrene Reifen und abgenutzte Bremsbeläge. Zusätzlich rate ich Dir einen Blick auf die Hinweise zum letzten Ölwechsel (dokumentiert auf einem Anhänger im Motorraum) sowie die nächste fällige Wartung (angekündigt auf einem Aufkleber im Einstieg auf der Fahrerseite) zu werfen. Darauf sind in der Regel ebenfalls Datum und Kilometerstand angegeben.

Tipp 2: Dokumentation genau anschauen

Besonders wertvoll sind hier das originale Serviceheft sowie noch eventuell vorhandene Rechnungen für Wartungsarbeiten. Bei der Wartung bzw. Inspektion wird sowohl in der Rechnung als auch im Serviceheft vermerkt, bei welchem Kilometerstand die Arbeiten erfolgt sind. Stellst Du beim Durchsehen der Dokumente fest, dass zwischen den einzelnen Serviceterminen der Kilometerstand auf einmal stark nach oben oder unten abweicht, kann das ein Indiz für eine Tachomanipulation sein.

Skrupellose Händler schmeißen Servicehefte deshalb auch gerne vor dem Verkauf weg oder fälschen sie einfach. Für letzteres wird einfach ein Blanko-Serviceheft gekauft. Anschließend werden alle Eintragungen selbst vorgenommen. Meist fällt dies aber dadurch auf, dass immer der gleiche Kugelschreiber und Werkstattstempel (in der gleichen Farbe) verwendet wird.

Tipp 3: Vorbesitzer kontaktieren

Um zusätzlich Gewissheit über den Tachostand zu bekommen, kann es ratsam sein, sich an den Vorbesitzer zu wenden. Wenn der Verkäufer die Kontaktdaten des Vorbesitzers nicht herausgeben kann bzw. darf, kannst Du diese auch den Fahrzeugunterlagen, wie z.B. Zulassung oder auch Wartungsrechnungen entnehmen. Mit einem Blick ins Telefonbuch sind die dazugehörigen Kontaktdaten schnell gefunden. Je nach dem wie Auskunftsbereit der Vorbesitzer ist, kannst Du neben der Laufleistung natürlich generell mehr über die Fahrzeughistorie und Nutzung in Erfahrung bringen.

Laufleistung im Kaufvertrag bestätigen lassen

Hast Du alle oben genannten Dinge geprüft, empfehle ich Dir zusätzlich im Kaufvertrag die Laufleistung des Autos schriftlich bestätigen zu lassen. Wird nämlich im Nachhinein eine Tachomanipulation erkannt, kann die Dokumentation im Kaufvertrag bei einem Gerichtsverfahren relevant werden. Deshalb solltest Du Formulierungen wie „Kilometerstand laut Tacho“ oder „Laufleistung wie abgelesen“ nicht akzeptieren und vor Deiner Unterschrift streichen.

Weitere Hilfen, um eine Tachomanipulation erkennen zu können

Technisch lässt sich eine Tachomanipulation übrigens nicht so leicht nachweisen. Es gibt einige Experten (so genannte „Tacho-Spione“), die mittels Ultraschall-Messgeräte den Motorlauf überprüfen und anhand von Erfahrungswerten die reale Laufleistung einschätzen können (siehe Beitrag bei Mobile.de). Dieses Verfahren ist zwar in der Industrie erprobt, liefert aber meiner Meinung nach nur Indizien für einen Tacho-Betrug.

Vor kurzem habe ich gelesen, dass es außerdem eine App für einige Fahrzeugmodellen gibt, die eine Tachomanipulation aufdecken kann (siehe Beitrag im Focus).

Da Tacho-Betrug seit einiger Zeit immer wieder in den Medien präsent ist, ist selbst die EU mittlerweile tätig geworden. Sie hat die Automobilhersteller im vergangenen Jahr dazu verpflichtet, bei Neuwagen nur noch manipulationssicheren Kilometerzähler zu verbauen.

 

Text: AS
Foto: AS

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