Es gibt Autos, die zaubern mir ein Lächeln auf das Gesicht. Neben dem VW Käfer zählt für mich dazu vor allen Dingen die zweite Generation des 3er BMWs (E30). Mit einem Reihensechszylinder unter der Motorhaube und dem versenkbaren Dach wird ein E30 dabei zu einem besonderen Vergnügen. Da wird es höchste Zeit dem inzwischen begehrten Young- und angehenden Oldtimer einen Fahrbericht zu spendieren.

Die Baureihe E30 wurde über alle Modelltypen hinweg rund 12 Jahre gebaut – genau genommen von 1982 bis 1994. Der E30 reift damit seit 2015 allmählich vom Young- zum Oldtimer.  Neben der klassischen Limousine umfasste die Modellpalette seinerzeit erstmalig einen Touring sowie seit langem auch wieder ein Cabriolet. Letzteres konnte ich vor kurzem zu einer Ausfahrt entführen.

Das Cabriolet (E30) ist von außen unverkennbar ein BMW

Das von mir gefahrene BMW 320i Cabriolet (E30) trägt den Dresscode, den alle BMW-Modelle aus den 80iger tragen. Dazu zählen das bis heute typische Vieraugengesicht, die eher kleine Niere und das breite Band an Rückleuchten. Besonders gut gefällt mir an dieser Baureihe das klassische „Threebox-Design“. Motorhaube, Fahrgast- sowie Kofferraum sind noch deutlich von außen erkennbar und die gesamte Seitenlinie verschwimmt noch nicht zu einem Keil, wie es bei vielen heutigen Autos zu sehen ist. Im Vergleich zur heutigen 3er-Reihe kommt der E30 geradezu zierlich daher. Mit einer Außenlänge von gerade mal 4,36 m ist der 3er BMW der Baureihe E30 so lang wie heute ein VW Golf.

BMW 320i Cabriolet (E30) Fahrbericht

Innen ist das 3er Cabriolet eng geschnitten

Der Innenraum ist eher pragmatisch eingerichtet. Typische BMW-Elemente, die auch heute noch in den Autos der Münchner zu finden sind, trägt aber schon der E30. Dazu zählen die zum Fahrer geneigte Mittelkonsole ebenso wie die eng geschnittenen Sportsitze und die kleinen Rundinstrumente. Ein Highlight für die damalige Zeit war das Check-Control, ein Vorläufer des Bordcomputers, über das man sich per Tastendruck über den Fahrzeugzustand informieren konnte.

BMW 320i Cabriolet (E30) Fahrbericht

Wie auch der heutige 3er BMW ist der 3er der Baureihe E30 eng geschnitten. Vorn finden Fahrer und Beifahrer auf straffen Sportsitzen eng nebeneinander Platz. Den hinteren Fahrgastraum kann man Erwachsene nur für kurze Strecken zumuten.

Erste Bordelektronik lässt grüßen

Für die damalige Zeit ein weiteres Highlight war das elektrische Verdeck. Auch wenn es über die Jahre etwas an Geschwindigkeit verloren hat, funktioniert es noch recht gut. Das zarte Stoffhäubchen verschwindet binnen einiger Minuten flach und Platzsparend im Verdeckkasten. Trotz offenem Verdeck bleibt dabei durchaus ordentlicher Kofferraum zurück. Der alte 3er ist hier zumindest modernen Cabriolets mit Stahldach weit überlegen.

BMW 320i Cabriolet (E30) Fahrbericht

Ein wohlklingender Reihensechszylinder wartet unter der Motorhaube

Das Sahnestück des 3ers wartet natürlich unter der Motorhaube. Der wunderbar klingende Reichensechszylinder-Motor mit gerade mal 2-Litern-Hubraum und überschaubaren 129 PS. Heutzutage nutzt man den Hubraum für nur vier Zylinder und holt dank Turboaufladung die doppelte Leistung heraus. Auch wenn der Motor betörend klingt, so unspektakulär fährt er sich jedoch. Außer seinem Klang bietet er wenig Temperament und gibt seine Leistung nur mit viel Schaltarbeit und bei hochtouriger Gangart ab. Das Getriebe ist ebenfalls BMW-Typisch etwas knorrig, schaltet sich aber dennoch exakt.

BMW 320i Cabriolet (E30) Fahrbericht

Wie geht noch mal „Freude am Fahren“?

Die richtige Freude am Fahren entsteht beim Zusammenspiel von Motor, Getriebe und Fahrwerk. Der BMW fährt sich dank Heckantrieb wunderbar agil. Antriebseinflüsse in der Lenkung sind ein Fremdwort. Schalten, Gas geben, Einlenken – Kurvenräubern macht mit dem kleinen Cabriolet richtig Spaß. Dank der kompakten Abmessungen kann man mit dem BMW 320i Cabriolet (E30) aber auch wunderbar durch den Stadtverkehr wieseln. Parklücken sind dank der kompakten Abmessungen und guten Rundumsicht auch kein Problem.

Die Preise für den E30 steigen an

Auch wenn der 3er der Baureihe in Einzeldisziplinen nicht immer überzeugt, ist das Gesamtpaket überragend. Eben weil die kleinen Unzulänglichkeiten durch andere Stärken ausgeglichen werden, hat der 3er einen unnachahmlichen Charakter und verkörpert für mich die Tugenden, die BMW erfolgreich gemacht haben. Der 3er überzeugt mit schickem, aber dennoch schlichtem Design, kompakten Abmessungen, knackigem Fahrverhalten und wunderbaren Reihensechszylinder-Motoren. Viele der Errungenschaften sind auch heute noch bei BMW-Modellen zu finden. Die famosen Motoren jedoch sind gerade im Begriff auszusterben.

Wer sich noch einen BMW 3er Cabriolet der Baureihe E30 sichern möchte, muss sich ranhalten. Seitdem die ersten Modelle eine H-Kennzeichen als Oldtimer bekommen, steigen die Preise an.  Gerade unverbastelte Exemplare sind rar. Die Preise starten bei rd. 6.000,- €. Einen Marktüberblick kannst Du Dir wie immer mit meiner vorkonfigurierten Suche verschaffen.

Leistungsdaten des von mir gefahrenen BMW 320i Cabriolets (E30)

Motor:Sechszylinder-Benzinmotor
Kraftübertragung:Fünggang-Schaltgetriebe
(Heckantrieb)
Hubraum:1.990 cm³
max. Leistung:95 kW / 129 PS
Beschleunigung von 0-100 km/h:11,5 s
Durchschnittsverbrauch auf 100 km (kombiniert):9,5 l
Höchstgeschwindigkeit:195 km/h
Abmessungen (L x B x H):4.325 x 1.645 x 1.370 mm

Text: AS
Fotos: AS

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