Es gibt Autos, deren Design auch über Jahrzehnte immer noch wunderschön ist. Der BMW V8, auch bekannt als „Barockengel“, gehört ganz klar dazu. Seine geschwungenen Formen und das unvergleichliche Heck mit dem runden Kofferraumdeckel sind auch heute immer noch schön anzusehen. Der BMW V8 war in den 1950iger Jahren sowohl Segen als auch Fluch für den bayerischen Autobauer. Daher freue ich mich umso mehr, einen so seltenen Klassiker für einen Fahrbericht zur Verfügung zu haben.

Der BMW V8 hat die Geschichte des bayerischen Automobilbauers geprägt, wie kaum ein anderes Auto. Nach den Entbehrungen des zweiten Weltkrieges sowie Reparationsleistungen stellten die Bayern mit dem BMW 501 und später 502 Anfang der 50iger Jahre ein Automobil auf die Straße, dass seines Gleichen suchte. Umwerfendes Karosseriedesign, leistungsstarke Motoren und Preise, wie man sie sonst nur von der Stuttgarter Konkurrenz kannte. Vielleicht aufgrund des hohen Preises blieben die Stückzahlen der Baureihe dennoch hinter den Erwartungen zurück und so führte die Baureihe 501/502 BMW fasst in den Abgrund. Herbert Quandt konnte seinerzeit durch sein Engagement die Übernahme des bayerischen Autobauers durch Daimler-Benz abwenden (mehr dazu findest Du in diesem Wikipedia-Artikel). Insgesamt wurden von der Baureihe inklusive des Cabrios sowie Coupés nur rund 23.000 Einheiten abgesetzt. Umso schöner war es für mich, bei einer Ausfahrt dieses seltenen Gefährts dabei sein zu dürfen.

Rundungen wohin man schaut

Mit seinen Schwüngen, Bögen und Rundungen trägt der BMW V8 ein einmaliges Karosseriedesign, welches vermutlich zu seinem Spitznamen „Barockengel“ maßgeblich beigetragen hat. Gerade das Heck mit seinem rundlichen Kofferraumdeckel, der die Form der Kotflügel aufnimmt, ist für mich ein echter Hingucker. Auch die Front mit ihrer schmal zulaufenden Motorhaube und den langgezogenen Nieren ist schön anzuschauen. Als besonderes Highlight und typisch für die Bauzeit darf ich natürlich nicht vergessen die Selbstmördertüren zu erwähnen.

BMW V8 502 Barockengel im Fahrbericht

Willkommen auf Großvaters Couch

Im Innenraum erwartet mich der Schick der 50iger Jahre. Vorn wie hinten können die Passagiere auf bequem gepolsterten Couchmöbeln Platz nehmen. Große Verstellmöglichkeiten sowie Seitenhalt darf man von den Sitzen allerdings nicht erwarten. Insgesamt sitz man höher im BMW V8 als in heutigen Autos und fühlt sich eher erhaben als gut in das Fahrzeug integriert. Das Armaturenbrett ist erfrischend schlicht gestaltet. Neben einem Tacho, einigen Motoranzeigen, einem Radio sowie wenigen Schaltern ist es im Vergleich zu heutigen Fahrzeugen sehr übersichtlich. Insgesamt fühle ich mich im Innenraum sehr wohl. Es hat den Charme von Großvaters Wohnzimmer.

BMW V8 502 Barockengel im Fahrbericht

Nostalgisches Fahrgefühl im BMW V8

Den BMW V8 zu bewegen erfordert Sanftmut und Geduld. Für ein über 50 Jahre altes Auto bringe ich allerdings gern beides auf. Beim Fahren fühle ich mich, als wäre ich mit Großvaters Wohnzimmer auf Rädern unterwegs. Mangels Servolenkung und aus heutiger Sicht eher mäßigem Kurvenverhalten fahre ich den BMW am liebsten nur geradeaus. Im Vergleich zu heutigen Auslegungen von bayerischen Autos (wie z.B. dem aktuellen BMW 5er (G30)) ist der BMW V8 sehr komfortabel ausgelegt. Er wippt und schaukelt sanft über Unebenheiten hinweg. In Kurven neigt er sich stark zu Seite.

Beim Bremsen ist ebenfalls Geduld gefragt. Die Trommelbremsen und Verbindungen mit den schmalen Reifen erzeugen nur wenig Verzögerung. Bremsvorgänge wollen daher frühzeitig eingeleitet werden.

Rauchig klingender V8

Gemächlichkeit erfordert auch der V8-Benziner. Um zügig voran zu kommen, benötigt der rau klingende V8 viel Drehzahl und fleißige Schaltarbeit. Für heutige Verhältnisse ungewohnt ist für mich die Lenkradschaltung. Mit dem zarten Schalthebel lassen sich die Schaltgassen zum Teil nur erahnen, so dass jeder Gang mit viel Gefühl eingelegt werden möchte. Nach etwas Eingewöhnung gelingt mir dies einigermaßen.

BMW V8 502 Barockengel im Fahrbericht

Wie in einer anderen Zeit 

Das spannende beim Fahren mit dem BMW V8 ist für mich, dass ich mich mit der Geschwindigkeit völlig verschätze. Auch wenn ich mit dem Barockengel nur 50 km/h unterwegs bin, komme ich mir vor, als fahre ich Autobahntempo. Fehlende Dämmung sowie einfachste Motor- und Fahrwerkstechnik machen das Autofahren noch zu etwas besonderem. Man spürt den Motorvibrationen noch im Fahrzeug, hört den Fahrtwind an der Karosserie vorbeistreichen und atmet beim Fahren gelegentlich Öl- und Benzingerüche ein. Im Vergleich dazu fühle ich mich in heutigen Autos geradezu entkoppelt von Fahrgeschehen und Technik.

BMW V8 502 Barockengel im Fahrbericht

Trotz aller Diskussionen um Abgas und Klimawandel ist es schön, noch Fahrzeuge wie den BMW V8 auf unseren Straßen anzutreffen. Den „Barockengel“ umweht ein Hauch von Mythos, Geschichte und Exklusivität. Während meiner Ausfahrt erfreuen sich vermutlich deshalb auch viele Fußgänger und andere Autofahrer über den „Oldie“ auf der Straße. Viele, die den Wagen sehen, haben plötzlich ein Lächeln auf dem Gesicht und fühlen sich an andere Zeiten erinnert. Oldtimer wie der Barockengel zeigen auf, welch ein Abenteuer das Autofahren mal gewesen ist und wie gewöhnlich es im Vergleich dazu heute geworden ist.

BMW V8 sind selten zu finden

Wenn Du übrigens einen BMW V8 Dein Eigen nennen möchtest, musst Du einiges an Geld aufbringen. Gut erhaltene Exemplare des über 50 Jahre alten Modells sind in den Gebrauchtwagenbörsen ab rund 30.000,- € zu finden. Einen Überblick kannst Du Dir wie immer mit meiner vorkonfigurierten Suche verschaffen. Vorab gilt es sich natürlich über die Schwächen des Oldies zu informieren. Hierzu empfehle ich Dir mal beim BMW-V8-Club vorbei zu schauen.

Leistungsdaten des von mir gefahrenen BMW V8 (502) „Barockengel“

Motor:Achtzylinder-Benzinmotor
Kraftübertragung:Viergang-Schaltgetriebe
(Heckantrieb)
Hubraum:2.580 cm³
max. Leistung:74 kW / 100 PS
Beschleunigung von 0-100 km/h:15,5 s
Durchschnittsverbrauch auf 100 km (kombiniert):13,2 l
Höchstgeschwindigkeit:166 km/h
Abmessungen (L x B x H):4.730 x 1.780 x 1.530 mm

Text: AS
Fotos: AS

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