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Der Jaguar S-Type aus den 2000er Jahren ist ein echter Hingucker und wird auf dem Gebrauchtwagenmarkt zu Tiefstpreisen gehandelt. Viele unterschätzen die britische Oberklasselimousine. Unter dem Retro-Blechkleid bietet der Jaguar S-Type moderne Großserientechnik. Ob er sich als Investition lohnt und was ihn auszeichnet, erfährst Du in diesem Fahrbericht.

Es gelingt nicht vielen Autoherstellern ehemalige Designikonen erfolgreich wieder aufleben zu lassen. Ende der 90iger Jahre versuchte sich Jaguar an diesem Unterfangen mit dem S-Type. Die Limousine nimmt beim Design viele Anleihen beim Jaguar S-Type aus den 60iger Jahren. So ist das Vieraugen-Gesicht mit runden Scheinwerfern und ovalem Kühlergrill dem Klassiker entliehen. Auch die abfallende Seitenlinie sowie das rundliche Heck ähneln in ihren Grundzügen dem alten S-Type. Für meinen Geschmack haben die Briten beim Jaguar S-Type damit ein durchaus ansehnliches Gesamtpaket geschnürt. Der Wagen fällt mit seiner „historischen“ Linienführung auf, wirkt aber gleichzeitig modern und elegant. Besonders gelungen sieht das Ganze mit grünem Lack aus, der so gut nur einem Jaguar stehen kann.

Jaguar S-Type 4.0 Fahrbericht

Von außen Retro, von innen Club

Der Innenraum folgt Gott sei Dank weniger der klassischen Formensprache. Beim Interieur führen die Briten stattdessen ihren „Clubstil“ fort, der bereits in anderen Modellen aus den 90iger und 2000er Jahren zu finden ist. So wird das Armaturenbrett von Schwüngen und Rundungen dominiert. Vieles ist aus hellem Kunststoff und leider nur an wenigen Stellen aus echtem Leder oder Holz gefertigt. Besserung erfolgte in Sachen Materialauswahl erst mit dem Facelift 2002.

Jaguar S-Type 4.0 Fahrbericht

Natürlich fordert das rundliche Außendesign im Innenraum auch bei der Raumausnutzung seinen Tribut. Der Innenraum ist für eine Limousine der Oberklasse im Vergleich zur deutschen Konkurrenz, wie BMW 5er oder Mercedes-Benz E-Klasse, beengt. Vorne lässt es sich noch gut aushalten. Einzige die etwas hohe Sitzposition schmälert den Komfort. Richtig eng wird es jedoch im Fond. Hier fehlt es merklich an Raum für die Beine und den Kopf. Als Erwachsender möchte man hier nicht lange Aushalten müssen.

Jaguar S-Type 4.0 Fahrbericht

Innen geht es eng und etwas eigenwillig zu

Dafür ist der Jaguar S-Type meist ab Werk schon üppig ausstaffiert. Der von mir gefahrene S-Type 4.0 verfügt z.B. über Klimaautomatik, elektrische Ledersitze, Tempomat, Parksensoren und sogar schon über ein CD-basiertes Navigationssystem. Leider reicht das Kartenmaterial auf einer CD nur für die halbe Republik. Möchte man beispielsweise von Berlin nach München fahren, muss auf Höhe des Mittelgebirges eine Rast eingelegt und die Navigations-CD im Kofferraum getauscht werden. Erst die später mit dem Facelift eingeführte DVD-Navigation merzt diese Eigenheit aus.  

Auch an anderen Stellen muss mich man sich beim S-Type mit Schrulligkeiten abfinden. So ist z.B. der Scheibenwischer auf der Fahrerseite zu kurz, so dass Sitzriesen bei Regen keine optimale Sicht haben. Bei der Aerodynamik haben die britischen Ingenieure ebenfalls nicht gut genug aufgepasst. So wartet der S-Type bei Reisegeschwindigkeit auf der Autobahn mit lauten Windgeräuschen auf.

Guter Fahrkomfort mit sämigen V8

Überzeugen kann der Jaguar S-Type jedoch beim Fahren. Das Fahrwerk ist komfortabel abgestimmt und bietet gerade auf Langstrecken einen guten Reisekomfort. Lediglich kurze Bodenwollen geben Federn und Dämpfer wenig gefiltert an die Insassen weiter.

Jaguar S-Type 4.0 Fahrbericht

Zum angenehmen Fahrgefühl trägt auch der sämig laufende V8-Benziner mit 4-Litern-Hubraum bei. Er läuft wunderbar ruhig und hält sich akustisch zurück. Um seine volle Kraft zu entfalten, braucht der Motor jedoch Drehzahl. So liegen die 276 PS erst bei 6.100 Umdrehungen an. Folglich ist der Benziner auch kein Kostverächter. Als Fahrer sollte man sich an Verbräuche von 12 bis 17 Litern auf 100 km gewöhnen. Der V8 ist übrigens an eine Fünfgangautomatik gekoppelt. Sie macht ihren Job gut, auch wenn sie den optimalen Schaltpunkt nicht immer erwischt.

Jaguar S-Type 4.0 Fahrbericht

Der Jaguar S-Type 4.0 – Ein Brite zum Liebhaben

Der Jaguar S-Type ist meiner Meinung nach ein Auto für Liebhaber, die sich an britischem Design- und leistungsstarken Motoren erfreuen und über die Eigenheiten hinweg sehen können. Entwickelt wurde der S-Type bereits unter der Regie von Ford, so dass an vielen Stellen Großserientechnik zum Einsatz kommt. Dennoch hat der Jaguar S-Type zu Beginn seiner Bauzeit mit vielen Kinderkankheiten zu kämpfen. Gerade Modelle vor dem ersten Facelift können Probleme mit den Bremsen, der Automatik oder ausgeschlagenen Vorderachsgelenken ausweisen. Richtig ausgereift sind Modelle aus den letzten Baujahren von 2004 bis zum Produktionsende 2007.

Wie zu seiner Bauzeit ist auch heute das Interesse am S-Type verhalten. Dementsprechend günstig kann ein Jaguar S-Type auf den Gebrauchtwagenmarkt ergattert werden. Die Preise starten bei rund 1.500,- €. Einen Marktüberblick kannst Du Dir wie immer mit meiner vorkonfigurierten Suche verschaffen. Wenn Du Dich für britische Autos interessierst, solltest Du vielleicht auch einen Blick in meine Fahrberichte vom Jaguar XJ 40 oder Jaguar XK werfen.

Leistungsdaten des von mir gefahrenen Jaguar S-Type 4.0

Motor:Achtzylinder-Benzinmotor
Kraftübertragung:Fünfgang-Automatik
(Heckantrieb)
Hubraum:3.996 cm³
max. Leistung:203 kW / 276 PS
Beschleunigung von 0-100 km/h:7,1 s
Durchschnittsverbrauch auf 100 km (kombiniert):12,0 l
Höchstgeschwindigkeit:240 km/h
Abmessungen (L x B x H):4.905 x 1.818 x 1.441 mm

Text: AS
Fotos: AS

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