Mit der Giulia bietet Alfa Romeo nach fünf Jahren und dem Ende des Alfa 159 wieder eine Mittelklasselimousine an. Seit einem Jahr bereichert die Alfa Romeo Giulia nun mit ihren geschwungen Formen das deutsche Straßenbild und will die etablierte Konkurrenz – Audi A4, BMW 3er und Mercedes C-Klasse in die Schranken weisen. Nach einer ersten Ausfahrt sehe ich für dieses Unterfangen durchaus Erfolgschancen.

Von außen ist die Alfa Romeo Giulia im Vergleich zur deutschen Mittelklasse erfrischend auffällig. Der markante Kühlergrill „Scudetto“, die geschwungenen Linien der Karosserie sowie die schmalen Scheinwerfer lassen den Italiener sportlich und zugleich elegant wirken. Eine kräftigere Farbe als das hier gefahrene Modell in dem „Grigio Vesuvio“ getauften Grau-Metallic würde der Giulia noch mehr Präsenz verleihen. Hier könnte ich mir z.B. das kräftige Rot „Rosso Monza“ sehr gut vorstellen.

Fahrbericht Alfa Romeo Giulia

Mit italienischem Design erfreulich anders

Die italienische Linienführung setzt sich im Innenraum fort. Das Cockpit ist mit seinem modischen Schwung, den runden Lüftungsdüsen sowie den klassischen Rundinstrumenten modern und dennoch funktional gestaltet. Hier gefällt mir besonders der dezent integrierte 8,8-Zoll-Bildschirm des Infotainmentsystems. Er liegt gut im Sichtfeld und sieht nicht so aufgesetzt aus wie in den Modellen von Mercedes oder Audi. Allerdings ist die Bedienung des Infotainments über den Dreh-Drück-Steller in der Mittelkonsole (ähnlich zum iDrive) nicht immer selbsterklärend. Auf der obersten Menüebene konnte ich mich noch gut zurecht finden. Je tiefer ich aber für einzelne Funktionen in die Menüstruktur einsteigen musste, desto verwirrender fand ich sie. Ein nettes Detail ist der Startknopf, der sich bei der Giulia am Lenkrad befindet.

Fahrbericht Alfa Romeo Giulia

Insgesamt bietet der Alfa vorn ausreichend Platz für zwei Personen. Hinten fehlt es für groß gewachsene Personen wie mich (1,85 m) etwas an Knieraum und Kopffreiheit. Der Kofferraum bietet mit rd. 480 Litern klassenüblichen Standard.

Agil und sportlich zu fahren

Beim Fahren erinnert mich die Giulia sehr an einen BMW 3er. Lenkung und Fahrwerk sind sportlich direkt ausgelegt. Die Giulia lässt sich damit sehr agil bewegen. Über den serienmäßigen DNA-Schalter in der Mittelkonsole können die Motorcharakteristik und die (als Sonderausstattung erhältlichen) verstellbaren Stoßdämpfer eingestellt werden. Auf der Autobahn hat mir der Dynamic-Modus besonders viel Spaß gemacht.

Fahrbericht Alfa Romeo Giulia

Motor und Getriebe passen von den Fahrleistungen her gut zum Fahrwerk. Nach einem kleinen Turboloch packt der 2,2-Liter-Vierzylinder mit 180 PS richtig zu. Um das schmale Drehzahlband des Diesels gut nutzen zu können, musste ich öfters zum Schalthebel greifen. Dies macht aber mit der verbauten Sechsgang-Schaltung richtig Spaß. Die Schaltwege sind kurz und die Gänge lassen sich leicht sowie präzise einlegen. Einziges Manko des Motors ist für mich der Sound. Das Nageln des Diesels ist bei fast jedem Tempo präsent und lässt auch bei warm gefahrenen Motor nur wenig nach. Für meinen Geschmack würde ein Benziner besser zur Giulia passen. Für mich wäre hier der seit kurzem erhältliche 2-Liter-Vierzylinder mit Turboaufladung und 200 PS ideal.

Gelungene Rückkehr in die Mittelklasse – wenn auch mit kleinen Abstrichen

Insgesamt ist Alfa Romeo mit der Giulia die Rückkehr in die Mittelklasse gelungen. Das Design ist ansprechend und erfrischend anders. Antrieb und Fahrwerk machen Freude und sind der deutschen Konkurrenz ebenbürtig.
Was mir allerdings an der Giulia etwas fehlt, ist die Liebe zum Detail. Die Verarbeitung ist im sichtbaren Bereich zwar in Ordnung. Schaut man aber an einigen Stellen genauer hin, ist die Giulia doch etwas nachlässig zusammen gezimmert. So hängen beispielsweise im Motorraum einige Kabel lose herum, so dass sie durch die Fahrzeugbewegungen an Karosserieteile scheuern. Wann die Ummantelung der Kabel nachgibt, ist nur eine Frage der Zeit.

Die ersten gebrauchten Alfa Romeo Giulia kommen langsam auf den Markt. Gut ausgestattete Modelle sind ab ca. 30.000,- € erhältlich. Einen Marktüberblick kannst Du Dir wie immer mit meiner vorkonfigurierten Suche verschaffen.

Leistungsdaten der von mir gefahrenen Alfa Romeo Giulia

Motor:Reihen-4-Zylinder-Dieselmotor
Kraftübertragung:6-Gang-Schaltgetriebe (Heckantrieb)
Hubraum:2.143 cm³
max. Leistung:132 kW / 180 PS
Beschleunigung von 0-100 km/h:7,2 s
Durchschnittsverbrauch auf 100 km (kombiniert):4,2 l
Höchstgeschwindigkeit:230 km/h
Abmessungen (L x B x H):4.639 x 1.860 x 1.436 mm

 

Text: AS
Fotos: AS

 

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