Die vierte Generation des BMW 7ers (intern E65) war ihrer Zeit voraus. An dem polarisierenden Außendesign von Chris Bangle sowie der Einführung von iDrive in Verbindung mit einem radikalen aufgeräumten Innenraum schieden sich die Geister. Die einen lobten den mutigen Sprung und fanden das moderne Cockpit sowie auffallende Außendesign gelungen. Andere verteufelten den Wagen und forderten sogar den Rücktritt des damaligen Chefdesigners. Mit dem Facelift in 2005 erfuhr der 7er daher eine radikale Überarbeitung, um auch die konservative Kundschaft wieder für das Flaggschiff aus München zu begeistern. Ich konnte am vergangenen Wochenende einen gepflegten 730d von 2005 bei einer Probefahrt genießen.

Mit dem 2001 eingeführten BMW 7er führte Chris Bangle eine neue Designlinie für alle BMW-Modelle ein. So brach der E65 mit seinen massigen Proportionen und seinen auffälligen Designelementen mit der klassischen Linie seines Vorgängers. Besonders prägnant waren die großen Scheinwerfer mit Tränensäcken sowie der aufgesetzt wirkende Kofferraumdeckel (auch Bangle-Bürzel genannt). Beide Designmerkmale hielten später auch bei anderen BMW-Modellen Einzug, wie beispielsweise beim 6er (E 63).

Das Facelift macht den E65 gefälliger

Der von mir gefahrene 7er von 2005 in der Lackierung Tiefgrün-Metallic ist bereits vom Facelift entschärft. Die Tränensäcke bei den Frontscheinwerfer sind verschwunden und der aufgesetzte Kofferraumdeckel wurde durch breitere Rückleuchten sowie einer Chromleiste besser ins Heck integriert. Insgesamt wirkt das Außendesign durch die Retuschen nun gefälliger.

Fahrbericht BMW 7er E65

 

Innen grüßt Captain Future

Erfreulicher Weise ist der Innenraum bis auf wenige Details (wie eine zusätzliche Menü- sowie Direktwahltaste beim iDrive) weitestgehend dem Original treu geblieben. Hier lässt Captain Future grüßen. Das futuristische Design mit dem Materialmix aus Alu-Applikationen sowie offenporigem Holz finde ich bis heute modern. Neben vielen anderen Knöpfen ist auch der Automatik-Wählhebel aus der Mittelkonsole verbannt worden und erst bei genauerem Hinsehen als kleines Hebelchen am Lenkrad wieder zu finden. Ein besonderes Highlight sind die Schubladen in der Mittelkonsole, die neben Kleinkram auch das Autotelefon elegant verstecken.

Fahrbericht BMW 7er E65

Mit dem Facelift hielten übrigens auch erste kamerabasierte Assistenzsysteme Einzug in den BMW 7er. Hierzu zählen der Fernlichtassistent sowie das Nachtsichtsystem „Night Vision“.

Mit dem 3,0-Liter-Diesel ist der 7er ein sparsamer Langstreckengleiter

Ich bin ein großer Fan der Reihen-Sechszylinder von BMW – egal ob Benziner oder Dieselmotoren. Umso mehr freut es mich im Innenraum das dezente Grummeln des 3,0-Liter-Diesels zu vernehmen. Auch wenn die Diesel nicht ganz das Klangerlebnis der Benzinmotoren erreichen, mag ich dieses Motorgeräusch. Der kleine Dieselmotor macht den 7er zum sparsamen Langstreckengleiter (ca. 8 l auf 100 km). Auf der Autobahn merkt man dem Motor allerdings an, dass er zwei Tonnen auf Trapp halten muss. Nach oben hin geht ihm etwas die Puste aus.
Angetan bin ich von der hervorragende Sechsgangautomatik, die nach 12 Jahren und über 200.000 km immer noch butterweich schaltet.

Das verbaute Serienfahrwerk erfüllt die Erwartungen an eine Oberklasselimousine. Es ist komfortabel ausgelegt und federt grobe Stöße sehr gut weg. Gleichzeitig lässt es bei raschen Kurvenfahrten sogar etwas Sportlichkeit aufkommen, auch wenn der schwere Wagen dabei ins Wanken kommt. Wer hier mehr Einfluss sowie Sportlichkeit möchte, sollte sich einen 7er mit dem optionalen (aber teilweise anfälligen) Adaptive Drive-System aussuchen.

Gebraucht günstig zu haben, aber teuer im Unterhalt und bei Reparaturen

Einen gepflegten E65 mit Facelift und etwa 150.000 km bekommt man auf den Autobörsen aktuell für knapp 10.000,- €. Um auch auf der Antriebsseite gut ausgestattet zu sein, würde ich (aufgrund der aktuellen Diskussion rund um den Diesel) einen V8-Benziner auswählen. In Sachen Verbrauch ist man hier mit rd. 11 l auf 100 km dabei.

Teuer kann der BMW 7er im Unterhalt werden – besonders wenn die Wartung nicht regelmäßig erfolgt ist. Aufgrund des hohen Fahrzeuggewichts sollte vor dem Kauf das Fahrwerk genau untersucht werden. Zwei Tonnen fordern bei Aufhängung, Gelenken und auch Bremsen ihren Tribut. Gelegentlich treten bei den V8-Benziner Defekte am Wasserrohr sowie generell Probleme am Automatikgetriebe auf. Ansonsten sind gerade Modelle vor dem Facelift anfällig für Elektronikmacken.

Mit meiner vorkonfigurierten Suche kannst Du Dir wie immer schnell einen Marktüberblick verschaffen.

Wer sich vor dem Kauf noch weiter informieren möchte, sollte beim 7er-Forum vorbei schauen.

Leistungsdaten des von mir gefahrenen BMW 730d

Motor:Reihen-6-Zylinder-Dieselmotor
Kraftübertragung:Sechsgangautomatik (Heckantrieb)
Hubraum:2.993 cm³
max. Leistung:170 kW / 231 PS
Beschleunigung von 0-100 km/h:7,8 s
Durchschnittsverbrauch auf 100 km (kombiniert):7,9 l
Höchstgeschwindigkeit:238 km/h
Abmessungen (L x B x H):5.039 x 2.133 x 1.491 mm

 

Text: AS
Fotos: AS

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