Was haben Mimosengelb, Apricotorange und Citrusgrün gemeinsam? Dies waren alles Farbtöne der 107er-Baureihe, die als Cabriolet oder Coupé von 1971 bis 1989 das Straßenbild aufmischten. Vor kurzem konnte ich das Coupé als 350 SLC von 1977 für eine Ausfahrt entführen.

Für mich ist der Mercedes-Benz SLC eines der schönsten Autos der 70er Jahre. Die schlanke und flache Form steht im krassen Gegensatz zu den klobigen Mercedes-Modellen Ende der 80er bzw. Anfang der 90er Jahre. Dazu kommen die poppigen 70er-Jahre-Farben, wodurch die 107er noch heute im Straßenbild auffallen.

Großer Stern und viel dahinter

Besonders gut gefällt mir bei der 107er-Baureihe die Geradlinigkeit beim Außendesign. Ein Highlight ist dabei der große Kühlergrill mit dem Mercedes-Stern, der erst bei aktuellen Modellen wieder dieselbe Größe erreicht hat. Durch die zusätzlichen 36 cm Länge wirkt der SLC noch schnittiger als der SL (Roadster). Typisch für den SLC sind außerdem die Lamellenfenster, die die Fensterlinie zur C-Säule optisch verlängern. Sie waren technisch notwendig, weil die hinteren Seitenscheiben sonst zu groß geworden wären um sie komplett im Kotflügel versenken zu können.

Fahrbericht Mercedes-Benz SLC C107

Beim Öffnen der Türen erschlägt mich erst einmal die moosgrüne Innenausstattung. Man fühlt sich gleich in die 70er Jahre versetzt und möchte sich passend dazu mit Schlaghosen sowie Plateauschuhen einkleiden. Welche Farbenpracht muss in dieser Zeit nur auf der Straße geherrscht haben?

Ansonsten folgt das Interieur dem schlichten Außendesign. Das Armaturenbrett wird nur durch fünf runde Lüftungsdüsen unterbrochen, von den bei älteren Modell die mittlere Düse einer Analoguhr weichen musste. Für heutige Zeiten ungewohnt ist das große Lenkrad, das sich leider nicht verstellen lässt.

Fahrbericht Mercedes-Benz SLC C107

Wunderbar rustikaler V8-Motor

Das Herz des 350 SLC schlägt mit 8-Zylindern und liefert knapp 200 PS. Das der Mercedes trotz der hohen Leistung nur mäßig beschleunigt, liegt an der gemächlich schaltenden Dreigangautomatik. Durch seinen rustikalen Klang bereitet mir der Motor dennoch Freude. Dabei reicht die Klangvielfalt vom leisen Wummern im Standgas bis zum Kreischen bei durchgetretenem Gaspedal.

Fahrbericht Mercedes-Benz SLC C107

Zum gemütlichen Charakter des Antriebs passt auch das Fahrwerk. Auch für die heutige Zeit bietet der Mercedes einen sehr hohen Fahrkomfort. Für mich ist der Mercedes-Benz SLC ein wunderbarer Cruiser, mit dem man bei gemäßigten Tempo auch längere Strecken entspannt zurücklegen kann.

Moderne Ausstattung ohne Elektronik

Neben dem Fahren beeindruckt mich am SLC die verbaute Mechanik. Was heute in modernen Autos durch Steuergeräte und Elektromotoren erreicht wird, haben die Mercedes-Ingenieure damals noch mechanisch umgesetzt. So funktionieren beispielsweise Tempomat, Heizung und Zentralverriegelung im Mercedes mit dem vom Motor erzeugten Unterdruck, der je nach Bedarf abgezweigt, umgelenkt oder gespeichert wird. Das Schöne an der Mechanik ist, dass man technische Zusammenhänge sehen und Defekte noch selbst reparieren kann.

Im Vergleich zum SL exotisch

Im Vergleich zum rd. 240.000 mal gebauten SL ist der SLC mit knapp 63.000 Stück eher selten. Zusätzlich wurden viele Exemplare im Laufe ihres Lebens getunt oder verbastelt, so dass es wenige gut erhaltene Originale auf dem Markt gibt. Vom Zustand her akzeptable Mercedes-Benz SLC beginnen aktuell bei etwa 8.000,- €. Mit meiner vorkonfigurierten Suche bei Mobile.de kannst Du Dir selbst einen Marktüberblick verschaffen.

Leistungsdaten des von mir gefahrenen Mercedes-Benz SLC

Motor:V8-Benzinmotor
Kraftübertragung:Dreigangautomatik (Heckantrieb)
Hubraum:3.499 cm³
max. Leistung:143 kW / 195 PS
Beschleunigung von 0-100 km/h:10,1 s
Durchschnittsverbrauch auf 100 km (kombiniert):13,0 l
Höchstgeschwindigkeit:200 km/h
Abmessungen (L x B x H):4.750 x 1.790 x 1.330 mm

 

Text: AS
Fotos: AS

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