Es gibt Autos, die stehen Zeit ihres Lebens im Schatten eines Anderen. Eines dieser Exemplare in der Golf-Klasse ist für mich der Opel Astra. Selbst die aktuelle Generation tut sich schwer gegen den Konkurrenten aus Wolfsburg. Warum das so ist, versuche ich in diesem Fahrbericht auf den Grund zu gehen.

An den Qualitäts- und Imageproblemen aus den 80iger und 90iger Jahren hat Opel bis heute zu knabbern. Ich kann es selbst kaum glauben, dass Opel einmal ein Teil der automobilen Oberklasse war und mit Autos wie Diplomat oder Admiral in einer Reihe mit Mercedes stand. Einer der letzten Opel-Modelle der Oberklasse war übrigens der Opel Senator. Auch wenn die Produkte in den letzten Jahren wieder an Qualität und Attraktivität gewonnen haben, tun sich viele Interessenten nach wie vor schwer, sich für einen Opel zu entscheiden.

Frische Optik mit schwebendem Dach

Was für gute Autos Opel inzwischen baut, zeigt der aktuelle Astra. Für mich macht der Astra in Sachen Optik mehr richtig als falsch. Die Karosserie wirkt coupéhafter, schnittiger und weniger kastig als beim ewigen Konkurrenten Golf. Opel folgt dabei aktuellen Designtrends und zaubert dem Astra ein schwebendes Dach in die Seitenansicht. Dafür wurde der obere Teil der B- und C-Säule in Schwarz gehalten, so dass die Dachholme über den Fenstern zu schweben scheinen. Mit der schnittigen Karosserie wirkt der Astra jedenfalls erfrischend eigenständig.

Fahrbericht Opel Astra K

Das Cockpit wurde im Vergleich zum Vorgänger deutlich aufgeräumt. Verschwunden sind die vielen kleinen Knöpfe und Tasten. Geblieben ist der (je nach Ausstattung unterschiedlich) große Monitor zwischen den Lüftungsdüsen in der Mittelkonsole. Er reagiert flott, das Menü wirkt aufgeräumt und man findet sich insgesamt gut zurecht. Für gute Konnektivität mit dem eigenen Smartphone wird mittels Android Auto und Apple CarPlay gesorgt.

Die Platzverhältnisse sind vorn insgesamt großzügig. Großgewachsene haben hinten sowohl mit dem abfallenden Dach als auch mit dem knapp bemessenen Raum für die Beine zu kämpfen.

Fahrbericht Opel Astra K

Natürlich sind im aktuellen Modell viele moderne Assistenzsysteme bestellbar. Dazu gehören neben den adaptiven LED-Scheinwerfern ein Abstandsregeltempomat, Park-, Notbrems-, Spurhalte- sowie Verkehrsschild-Assistent.

Beim Fahren verhält sich der Astra sehr erwachsen. Federungs- sowie Geräuschkomfort haben eine Qualität, die man sich in manchem Mittelklassefahrzeug wünschen würde. In Summe ist der Astra eher komfortabel als sportlich abgestimmt. Ein verstellbares Fahrwerk, wie beim Vorgänger, gibt es nicht mehr.

Mit dem automatisierten Getriebe geht es kopfnickend voran

So sehr mich Design und Fahrwerk überzeugt haben, so stark hat mich der Antrieb enttäuscht. Auch wenn der Dreizylinder-Benziner mit 105 PS den Astra tapfer voranbringt, war ich vom automatisierten Schaltgetriebe Easytronic überhaupt nicht angetan. Ursache hierfür sind die langen Zugkraftunterbrechungen zwischen den Schaltvorgängen. Diese sorgen bei den Insassen für gleichmäßiges Kopfnicken. Den Vergleich zu einem modernen Doppelkupplungsgetriebe will ich gar nicht wagen. Die bessere Wahl ist sicherlich entweder das manuelle Schaltgetriebe oder die Wandlerautomatik, die den leistungsstärken Motoren vorbehalten ist.

Der aktuelle Opel Astra K ist seit 2015 auf dem Markt. Entsprechend günstige Exemplare gibt es bereits auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Die Preise beginnen bei etwa 14.000,- €. Eine Übersicht kannst Du Dir wie immer mit meiner vorkonfigurierten Suche verschaffen.

In Summe ein schickes und solides Auto

Im Ergebnis tut sich der Astra mit schickem Design, einem modernen Cockpit und gutem Fahrkomfort hervor. Dennoch fehlt ihm meiner Meinung nach an einigen Stellen die Perfektion, die der Konkurrent aus Wolfsburg an den Tag legt. Von der Antriebskombination mal abgesehen, ist der Opel Astra die schickere und (gebraucht) etwas günstigere Alternative.

Leistungsdaten des von mir gefahrenen Opel Astra (K) 1.0 Ecotec

Motor:Reihen-3-Zylinder-Benzinmotor
Kraftübertragung:automatisiertes 5-Gang-Schaltgetriebe (Frontantrieb)
Hubraum:999 cm³
max. Leistung:77 kW / 105 PS
Beschleunigung von 0-100 km/h:12,7 s
Durchschnittsverbrauch auf 100 km (kombiniert):4,5 l
Höchstgeschwindigkeit:200 km/h
Abmessungen (L x B x H):4.370 x 1.809 x 1.485 mm

 

Fahrt Ihr einen aktuellen Astra K? Wie ist euer Eindruck vom Auto? Was habt Ihr für eine Antriebskombination verbaut?

 

Text: AS
Fotos: AS

3 Kommentare

  1. Ich glaube, es liegt nicht nur an den Motoren, sondern vielmehr am Image von Opel! Deutsche Käufer folgen oftmals dem Grundsatz „bei guter Qualität/Verarbeitung verzichte ich eben auf das Design“. Der Bereich Qualität hat unter GM sehr gelitten. Schade für Opel, von so einem Image kommt man nur sehr schwer weg.

  2. Ich kann dir nur beipflichten. Opel hat mit dem aktuellen Astra einen bildhübschen Kompakten abgeliefert, bei dem auch die Kombiform elegant und sportlich wirkt. Auch ist es lobenswert, dass Opel die Smartphoneanbindung ermöglicht, ohne sich dies zu horrenden Preisen vergüten zu lassen, wie etwa die bayerischen Autobauer. Leider ist, wie du richtig betonst, der Motor der größte Schwachpunkt des Astras – wie auch der sonstigen Modelle. Entweder sind sie durchzugsschwach (bei den kleinen Motoren) oder sie können durch größere Hubräume mit den Wolfsburger Aggregaten mithalten, saufen dann aber flugs den Tank leer. Vermutlich hat GM in den letzten Jahren die Motorenentwicklung schleifen lassen. Unter der neuen Peugeotführung dürfte das wohl kaum besser werden. Im Prinzip bleibt der Astra also letztlich nur ein Auto für Nostalgiker, die noch gute Erinnerungen an die runden Astras aus den Neunzigern hegen. Wer nämlich die moderne Technik und gute Motoren will, ohne Golfpreise zu zahlen, greift zum Skoda und tröstet sich über dessen nüchternes Außeres mit dem Gedanken hinweg, dass er die meiste Zeit im Inneren des Wagens verbringt und ihn nicht ansehen muss.

    • Vielen Dank für Deinen Kommentar. Das ist vielleicht eine Begründung, warum Opel so lange schon das nachsehen auf dem deutschen Markt hat. Skoda feierte in der gleichen Zeit viele Erfolge mit neuen Modellen.

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