Der Opel Senator B ist unter den aktuellen Youngtimern ein Underdog. Er ist einer der letzten Versuche von Opel in den 80iger bzw. 90iger Jahren in der Oberklasse mitzuspielen und an die großen Erfolge aus den 70igern anzuknüpfen. Die Fachpresse hat ihm seinerzeit die nötigen Qualitäten zugesprochen, um auf dem Markt gegen Mercedes-Benz und BMW anzutreten. 1987 erhielt der Opel Senator sogar das „goldene Lenkrad“. Viele Käufer ließen sich davon jedoch nicht überzeugen, so dass in knapp 7 Jahren Bauzeit insgesamt nur knapp 70.000 Exemplare vom Band liefen. Ich hatte vor kurzem die Gelegenheit eines dieser seltenen Stücke zu fahren.

Von außen ist der Opel Senator etwas unauffällig und folgt der damaligen Designlinie von Opel. Der von mir gefahrene Wagen von 1990 enthält bereits die optischen Retuschen des Facelifts. Zusammen mit den Scheinwerfern sticht von vorne der große vergitterte Kühlergrill ins Auge, der sich bis in die Stoßstange zieht. Auch von hinten hat der Wagen einen starken Auftritt – mit dem serienmäßigen Spoiler, den breiten Rückleuchten und den eckigen Auspuffrohren. In der Seitenansicht überzeugt er mit einer klassische Silhouette einer Limousine.

Klassische Formensprache einer Limousine mit viel Rundumsicht

Im Vergleich zu heutigen Autos bietet der Opel Senator eine geradezu überwältigende Übersichtlichkeit. Zwischen dem hohen Dach und der niedrigen Schulterlinie gibt es viel Glas, das eine wunderbare Rundumsicht ermöglicht. Auffällig ist außerdem, dass der Opel mit nur 1,76 m erstaunlich schmal ist. Diese Besonderheit erleichtert gemeinsam mit dem guten Überblick das Einparken (auch ohne elektronische Helfer) sowie Manövrieren in engen Straßen.

Opel Senator B Fahrbericht

Motorisierung ausschließlich mit 6-Zylindern

Bei uns wurde der Opel Senator ausschließlich mit 6-Zylinder-Benzinmotoren von 156 bis zu 272 PS (Irmscher-Version) und entweder mit 5-Gang-Schaltgetriebe oder 4-Gang-Automatik angeboten. Ich fahre das Spitzenmodel (3,0 24V) mit dem variablen Ansaugsystem „Dual-Ram“ und Automatikgetriebe. Der Motor hat für einen Sechszylinder einen rauchigen, aber angenehmen Klang. Für die volle Kraftentfaltung von 204 PS braucht der Saugmotor erwartungsgemäß Drehzahl (6.000 Umdrehungen). Die Automatik schaltet etwas zögerlich, so dass man für Überholmanöver Anlauf einplanen sollte. Wenn der passende Gang dann anliegt, zieht der Opel kraftvoll voran. Auffällig ist der zusätzliche Leistungsschub durch „Dual-Ram“ bei etwa 4.000 Umdrehungen. Das Fahren macht mir überraschend viel Spaß und der Leistungskick macht mich irgendwie süchtig.

Opel Senator B Fahrbericht

Komfortabler Gleiter mit adaptivem Fahrwerk

Für die damalige Zeit war der Opel technisch gut ausgerüstet. So enthielt er beispielsweise serienmäßig eine geschwindigkeitsabhängige Servolenkung. In der von mir gefahrenen höheren Ausstattungslinie „CD“ hat der Wagen sogar ein elektronisch geregeltes Fahrwerk, das sich wie bei heutigen Modellen (anderer Hersteller) auf sportlich, normal oder komfortabel einstellen lässt. Die Grundabstimmung von Lenkung und Fahrwerk ist komfortabel.

Opel Senator B Fahrbericht

Der Innenraum des Opel Senator bietet ausreichend Platz für vier Personen sowie deren Gepäck – im gut zugänglichen Kofferraum. Die schmale Karosserie macht sich auch innen bemerkbar, so dass man im Vergleich zu anderen Oberklassefahrzeugen dicht bei einander sitzt. Nach 27 Jahren verströmt der Innenraum einen Duft, den man als Enkel in Opas Auto auf der Rückbank kennengelernt hat. Diese Erinnerung kann wahrscheinlich nur ein Youngtimer mit Veloursitzen bieten.

Digitaltacho wie bei Knight Rider

Ein technisches Highlight des Opel Senator ist vor allem für diese Zeit das Digitaltacho (LCD). Mit den aufsteigenden Balken für die Drehzahl und das hoch- und runterrattern der Tacho-Ziffern fühlt man sich beim Fahren wie bei Knight Rider. Ich finde es erstaunlich, dass die ganze Elektronik bis heute fehlerfrei funktioniert.

Fahrbericht Opel Senator B

Für einen gut erhaltenen Opel Senator (z.B. von 1990) mit etwa 185.000 km zahlt man heute etwa 3.000,- €. Bei der Steuer sollte darauf geachtet werden, dass der Wagen einen Kaltlaufregler hat, also als Euro 2 eingestuft wird. Der Verbrauch ist dazu moderat, eine Autobahnfahrt um die 130 km/h schlägt sich mit ca. 9 Liter Super auf 100 km nieder. Der Verbrauch im Stadtverkehr ist natürlich wie bei jedem Auto deutlich höher (ca. 13 Liter/ 100 km).

Für weitere Informationen zum Opel Senator – insbesondere zur Ausstattung und technischen Details – empfehle ich einen Blick auf www.senatorman.de.

Leistungsdaten des gefahrenen Opel Senator

Motor:Reihen-6-Zylinder-Benzinmotor
Kraftübertragung:Viergangautomatik (Heckantrieb)
Hubraum:2.969 cm³
max. Leistung:150 kW / 204 PS
Beschleunigung von 0-100 km/h:9,0 s
Durchschnittsverbrauch auf 100 km (kombiniert):12,5 l
Höchstgeschwindigkeit:235 km/h
Abmessungen (L x B x H):4.845 x 1.763 x 1.430 mm

 

Text: AS
Fotos: AS

1 Kommentar

  1. Ein sehr informativer Artikel. Das letzte Flagschiff der „Oberklasse“ aus Rüsselsheim ist wirklich ein Exot, den man nur noch selten auf der Straße sieht.

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