Um ein gutes gebrauchtes Auto zu finden, beschreibe ich in diesem Beitrag welche Dinge an der Karosserie besonders von Dir untersucht werden sollten. Nahezu alle modernen Autos werden mit einer so genannten selbsttragenden Karosserie gefertigt. Das bedeutet, dass es unter dem Blech keine zusätzliche Tragkonstruktion (z.B. einen Gitterrohrrahmen) gibt. Stattdessen sind alle Teile direkt mit der Karosserie verbunden. Die Karosserie nimmt die beim Fahren entstehenden Kräfte auf und trägt alle Fahrzeugteile – wie beispielsweise den Motor.

Schäden an der Karosserie können durch ganz unterschiedliche Dinge einstehen. So können beispielsweise herabfallende Äste oder Vandalismus das Auto beschädigen. Die meisten Karosserieschäden beruhen aber meist auf andere Ursachen. Hierzu zählen hauptsächlich Unfälle oder Korrosion.

Unfallspuren an der Karosserie erkennen

Die Karosserie eines Fahrzeugs ist dazu konstruiert, die enorme Energie bzw. die Kräfte eines Unfalls aufzunehmen, abzubauen und möglichst wenig davon an die Insassen abzugeben. Meist geschieht dies durch mechanische Verformung, die zu unschönen Beulen oder Dellen führen. Diese offensichtlichen Schäden an der Karosserie können je nach Größe/Umfang wieder gut behoben werden. Dennoch lassen sich Reparaturen an einem gebrauchten Auto meist mit einem geschulten Auge nachvollziehen.

Tipp:

Da der Lack und die Karosserie eng mit einander verbunden sind, lassen sich Reparaturen meist bereits an Unterschieden im Lack erkennen (siehe vorherigen Beitrag). So kann beispielsweise der Farbton des Lacks von einem Fahrzeugteil wie der Fahrertür von dem Farbton des benachbarten Kotflügels abweichen. Dies spricht für eine Reparatur an einem der beiden Fahrzeugteile.
Auch mit einem Magneten (z.B. mit einem Kühlschrankmagneten) kann man die Karosserie gut untersuchen. Da bei den meisten Fahrzeugen die Karosserie größtenteils noch aus Stahlblech besteht, sollte der Magnet eigentlich gut an den einzelnen Karosserieteilen haften bleiben. Wurde aber ein Unfallschaden oder eine größere Roststelle z.B. mit Spachtelmasse repariert, hält der Magnet an diesen Stelle nicht mehr.

Tipp:

Um ein gebrauchtes Auto nach reparierten Unfallschäden zu untersuchen, hilft in der Regel auch ein Blick auf die Spaltmaße, z.B. zwischen vorderer und hinterer Beifahrertür. Bei einem fabrikneuen Auto sind die Spalten zwischen den einzelnen Karosserieteilen meist gleichmäßig breit. Fallen Dir hier Unregelmäßigkeiten bei den Spaltmaßen auf, spricht dies für eine verzogene Karosserie – vermutlich durch einen Unfall.

Durch schwere Unfälle können auch weniger gut sichtbare Karosserieteile in Mitleidenschaft gezogen werden. Hierzu zählen meist so genannte Crashstrukturen, wie z.B. im Motorraum, die bei einem Unfall die Kräfte in die restliche Karosserie ableiten. Wenn Du daran Verformungen feststellst, hat Dein Wunschfahrzeug vermutlich einen schweren Unfall hinter sich.

Korrosion entdecken

Jeder An- oder Eingriff an der Karosserie kann mittel- bis langfristig zu Korrosion bzw. Rost führen. Ursachen hierfür können Feuchtigkeit, ein Unfall sogar unfachgerechte Tuningarbeiten sein. Hierbei werden meist die Schutzschichten über dem Blech – im Wesentlichen die Lackierung und Wachsversiegelung (am Unterboden) – beschädigt. Fehlt diese Schutzschicht und wurde diese nicht erneuert, kommt es durch Einwirkung von Luft und Feuchtigkeit irgendwann zu Korrosion. Je älter Dein zukünftiges gebrauchtes Auto also ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit für mögliche Rostschäden.

Je nach dem an welchen Karosserieteilen Du Rost entdeckst, kann dies unterschiedliche Konsequenzen haben. Korrosion an beweglichen Karosserieteile, wie Türen, Motorhaube und Heckklappe kann mit überschaubaren Kosten durch fachgerechte Lackierarbeiten oder einem Austausch des Teils behoben werden. Anders sieht es bei der restlichen Karosserie aus – insbesondere wenn es tragende Teile, wie die Unterbodenkonstruktion oder die Dachholme sind. Hier ist mit hohen Kosten für die Instandsetzung zu rechnen. Aus diesen Gründen wird bei Gebrauchtwagen gerne versucht Korrosion durch kostengünstige Reparaturarbeiten zu verstecken.

Tipp:

Um Korrosion an der Fahrzeugoberseite zu erkennen, schau Dir am besten den Lack an. Sollte sich nämlich durch Korrosion das Blech verändern, beginnt der Lack darüber Blasen zu schlagen und langsam abzublättern. Meist geschieht dies an Karosseriestellen, wo sich Wasser stauen und nur schlecht ablaufen kann.

Tipp:

Um Rost am Unterboden des Autos zu erkennen, solltest Du entweder (z.B. während der Probefahrt) eine Hebebühne aufsuchen oder bei der Fahrzeugbesichtigung mittels einer Taschenlampe und eines Taschenspiegels den Unterboden genau inspizieren. Da Reparaturen in diesem Fahrzeugbereich schnell sehr teuer werden können, versuche bei Unregelmäßigkeiten am besten vor dem Kauf einen Fachmann (vom TÜV, Dekra, etc. oder der Werkstatt des Vertrauens) hinzuziehen.

Gerne kannst Du Dir auch meine kostenlose Gebrauchtwagen-Checkliste anfordern.

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