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Ein Kombi war bis vor einigen Jahren für eine kleine Familie das Nonplusultra. Unter einem nahezu geraden Dach und einem steilen Heckabschluss ließ sich im so genannten „Kombinationskraftwagen“ (kurz: Kombi) bedeutend mehr in den Urlaub transportieren, als in einer klassischen Limousine oder einem schicken Coupé. Doch was ist aus der Fahrzeuggattung Kombi eigentlich geworden?

Ich möchte zunächst mit einem Blick zurück starten. Erinnerst Du Dich noch an die 80iger und 90iger Jahre – als Autos wie ein Passat Variant des Typs B4, ein Mercedes-Benz T-Modell der Baureihe S210 oder die ersten Modelle des Volvo V90 noch auf den Straßen unterwegs waren? Unter dem meist gerade verlaufenden Dach und dem steilen Heckabschluss konnten nahezu alle Transportphantasien ausgelebt werden. Ob nun eine Waschmaschine transportiert werden sollte oder im Kofferraum auch mal Fahrgäste Platz nehmen durften. Selbst Übernachtungen waren bei umgeklappten Sitzen in einem Kombi vorstellbar. In einem Kombi war nahezu alles möglich.

Der Aufstieg der praktischen Kombis im letzten Jahrtausend

Angetrieben durch den amerikanischen Markt, auf dem der Kombi-Boom mit den so genannten „Station Wagons“ in den 70igern seinen Anfang nahm, wurde die Auswahl an praktischen Kombi-Modellen auch hierzulande in den 80iger und 90iger Jahren immer größer. Erst zögerlich sprangen die europäischen Hersteller auf den Trend auf. Dann aber hatte bald jeder Autohersteller – von Alfa Romeo bis Volvo – meist mehrere Kombi-Modelle in unterschiedlichen Größen im Angebot. Viele der seinerzeit eingeführten Baureihen gibt es auch heute noch.

Doch was ist aus Ihnen geworden?

Wenn ich mich heute auf unseren Straßen umsehe, stelle ich fest, dass ich zunächst deutlich weniger Kombis sehe. Gleichzeitig fallen die herumfahrenden Kombis mehr durch Design als durch Nutzwert ins Auge. Sie zeichnen sich durch ein stark abfallendes Dach und einer sehr schrägen Heckklappe aus. Die Kombis, die sich noch als solche verstehen wollen, sehen inzwischen mehr wie aufgeblasene Fließheckmodelle aus.

Der Verfall des Nutzwertes

So ist beispielsweise beim T-Modell der Mercedes-Benz E-Klasse das maximale Kofferraumvolumen von der Baureihe S210 (1.975 Liter) zur aktuellen Baureihe S213 (1.820 Liter) um 8% gesunken. Aufgrund des coupéartigen Designs hat zusätzlich die Praktikabilität gelitten. Oder könnte im aktuellen Modell noch eine Waschmaschine Platz finden?

Auf die Spitze wird das ganze von den Autoherstellern bei den so genannten „Shooting Brake“-Modellen getrieben, die kaum mehr Stauraum bieten als ihre viertürigen Coupé-Brüder, von denen sie meist in der Konstruktion abgeleitet sind. Vorbei sind offensichtlich die Zeiten, als bei der Entwicklung der Nutzwert eines Autos in der Prioritätenliste noch vor dem Design stand.

SUV statt Kombi ist heute in Mode

Die Kunden, die früher einen klassischen Kombi gekauft haben, greifen heutzutage lieber zu einem „schicken“ SUV – wie VW Tiguan, BMW X5 oder Mercedes-Benz GLE. Das aktuelle Bild auf unseren Straßen spricht Bände. In den SUVs sitzt man nicht nur höher, sondern ist vermeintlich auch sportlicher mit der Offroad-Optik unterwegs. Höheres Gewicht, höherer Luftwiderstand und ein damit einhergehender höherer Verbrauch spielen bei der Kaufentscheidung weniger eine Rolle.

Selbst bei den SUVs geht inzwischen sportliches Design vor Nutzwert. So kommen auch in dieser Fahrzeuggattung immer mehr SUV-Coupés auf den Markt. Ich denke hier an BMW X4, Mercedes-Benz GLE Coupé oder – noch besser – als Cabriolet wie der VW T-Roc.

Was hat der Markt heute noch zu bieten?

In den USA spielen Kombi-Modelle heute auf dem Automarkt keine Rolle mehr. Sie wurden von Pickups und SUVs völlig verdrängt. Aber auch bei uns, wo sich Kombis in den vergangenen Jahrzehnten immer gut verkauft haben, sind klassische Kombi-Modelle rar geworden. Ich frage mich daher, wo sind eigentlich die Alltagsautos mit Nutzwert geblieben? Was sind aktuelle Modelle, mit denen man

  • große sperrige Gegenstände transportieren kann?
  • noch problemlos einen Umzug schaffen kann?
  • eine Nacht schlafen kann?

Für derartige Ansprüche an ein Auto bleiben dann nur noch Modelle aus dem Nutzfahrzeugbereich übrig – wie ein VW Caddy oder ein Transporter. Diese Autos sehen meist nicht nur nach Nutzfahrzeug aus, sondern versprühen auch aufgrund ihrer preiswerten Konstruktion entsprechenden Charme beim Fahren.

Schöner ist heute wohl besser

Offensichtlich haben sich die Ansprüche der Kunden verändert. Auch wenn eine kleine Familie immer noch viel transportieren muss, gibt es inzwischen andere Möglichkeiten, den fehlenden Nutzwert aktueller Kombimodelle zu kompensieren. So gibt es beispielsweise Lieferdienste für alles Erdenkliche. Der Platz im Kombi wird eigentlich nur noch für Urlaubsfahrten oder größere Ausflüge benötigt. Was dann nicht ins Auto passt, wird kurzerhand in eine gemietete Dachbox gepackt, vor Ort gemietet oder einfach zu Hause gelassen. Hauptsache man sieht in seinem Auto gut aus. Schöne neue Autowelt.

Text: AS
Foto: AS

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