Jaguar schafft es mit dem I-PACE im Vergleich zu den deutschen Autoherstellern als erstes, ein attraktives Konkurrenzprodukt zu Tesla auf die Beine zu stellen. Mit eigenständigem Design, viel elektrischer Power und einer alltagstauglichen Reichweite will die britische Raubkatze Tesla Kunden abjagen. Bei einer umfangreichen Ausfahrt konnte ich dem Jaguar I-PACE SE auf den Zahn fühlen und muss schon jetzt vorab gestehen, dass der Wagen seinen ganz eigenen Reiz hat.

Jaguar war bisher eher für traditionelle und sportliche Autos bekannt. So ist die Historie der britischen Autoschmiede geprägt von so eindrucksvollen Modellen wie Jaguar E-Type, XJ 12, XJ-S oder dem letzten Jaguar XK. Da wirkt es schon wie ein Paukenschlag, dass die Briten mit dem Jaguar I-PACE 2018 als einer der ersten europäischen Autohersteller ein attraktives und durchaus erstwagentaugliches Elektroauto auf die Räder stellen. Der I-PACE bricht dabei nicht mit der Tradition von Jaguar, sondern versucht die Eigenheiten der Briten in ein zukunftsfähiges Fahrzeugkonzept zu überführen. Welche Eigenheiten das sind und was den Jaguar I-PACE SE noch so auszeichnet, möchte ich Dir in diesem Fahrbericht verraten.

Ein echter Hingucker

Optisch ist der Jaguar I-PACE im Vergleich zu den sonst umherfahrenden Autos schon auffällig. Dazu trägt nicht nur die Lackierung in „Firenze Red“ bei, sondern auch das extravagante Design. Mit den schmalen Scheinwerfern und dem großen Kühlerschlund ist der I-PACE von vorn eindeutig als Jaguar zu erkennen. Von hinten wirkt der Brite aufgrund des hochbauenden und flächigen Heckdeckels eher klobig. Aufgrund des großen Akkupacks, der im Unterboden untergebracht ist, baut der Jaguar generell sehr hoch. Die schmale Fenster- sowie die coupéhaften Dachlinie kaschieren dies aber gekonnt, so dass der Jaguar von der Seite sportlich wirkt. Ein besonderes Highlight beim Exterieur sind die Türgriffe, die sich während der Fahrt versenken und auch im Stand nur noch einer leichten Berührung herausfahren. In Summe wirkt der I-PACE nicht ganz so futuristisch wie beispielsweise ein BMW i8. Dennoch fällt er im Straßenverkehr auf und ist für mich ein echter Hingucker.

Jaguar I-PACE SE im Fahrbericht

Im Innenraum ist der Brite ebenfalls modern gestaltet. Zu diesem Eindruck tragen zunächst drei große Displays bei. Das erste stellt vor dem Fahrer die Tachoanzeigen dar. Das zweite Display dient dem Infotainment in der Mittelkonsole. Über das dritte Display wird die Klimaanlage gesteuert. Ich muss gestehen, dass mich die Bedienung nicht ganz überzeugen konnte. Einige Funktionen sind so versteckt, andere haben sich mir in der Bedienlogik nicht erschlossen und wieder andere habe ich gar nicht gefunden. Um zu jedem auch ein Beispiel zu bringen: Den Tageskilometerzähler habe ich umständlich über den Bordcomputer im Tachodisplay gefunden. Beim Navigationssystem habe ich es nicht geschafft, als Ziel eine Anschrift mit Straße einzugeben. Bis zum Schluss habe ich keine Möglichkeit entdeckt, um das Anklappen der Außenspiegel nach dem Abschließen auszuschalten.  

Eigenwillige Lösungen muss man am Jaguar I-PACE SE lieben lernen

In der mittleren Ausstattungslinie SE wird der Innenraum außerdem von Sportsitzen und Leder aufgewertet. In Sachen Platzverhältnisse gibt es meiner Meinung nach wenig zu meckern. Vorn sitzt man zwar hoch, fühlt sich aber dennoch gut in das Auto integriert. Auf den Rücksitzen finden Kinder wie Erwachsene ausreichend Platz. Der Kofferraum ist mit 656-Litern üppig bemessen. Lediglich die Ladekante ist etwas hoch. Ein schönes Detail am Jaguar ist, dass die Ladekabel nicht im Kofferraum (wie zum Beispiel beim Audi A3 Sportback e-tron) untergebracht sind, sondern in einem separaten Fach unter der Motorhaube Platz finden. Was mir weniger gut am I-PACE gefallen hat, ist die mäßige Rundumsicht. Gerade der Blick nach Hinten ist aufgrund des hochbauenden Hecks sehr schlecht. Gott sei Dank gehört die Rückfahrkamera zum Serienumfang.

Jaguar I-PACE SE im Fahrbericht

Als modernes Auto verfügt der Jaguar serienmäßig bereits über zahlreiche Assistenzsysteme. Während der Ausfahrt konnten mich jedoch nicht alle Assistenten überzeugen. So erkennt beispielsweise die Verkehrsschilderkennung angebrachte Ausnahmen (wie beispielsweise nur bei Nässe) nicht zuverlässig. Auch der Abstandsregeltempomat reagiert zum Teil sehr ruppig, da er einscherende Autos spät erkennt oder in der Nebenspur fahrende Autos plötzlich als Hindernis wahrnimmt.

Beschleunigung wie ein Tritt in den Rücken

Am faszinierendsten am Jaguar I-PACE SE ist für mich der Antrieb. Mit zwei Elektromotoren mit jeweils 200 PS (einer an der Vorder-, der andere an der Hinterachse) hat der Jaguar I-PACE eine beeindruckende Systemleistung von insgesamt 400 PS. Damit beschleunigt der immerhin 2,2 Tonnen schwere Koloss in 4,8 Sekunden von 0-100 km/h. Ähnliche Beschleunigungswerte kennt man sonst nur von Sportwagen. Allerdings endet der Vortrieb trotz der Leistung bei abgeregelten 200 km/h. Beim Fahren ist die Beschleunigung für mich immer wieder von Neuem atemberaubend. Der Vortrieb erfolgt ohne Schaltunterbrechungen. Außerdem wird die Kraft auf alle vier Räder übertragen. Die Beschleunigung ist wie ein Rausch, so dass ich bei jeder Gelegenheit beherzt aufs Gaspedal trete.

Ähnlich faszinierend ist auch die Verzögerung, besonders wenn dies mittels Rekuperation (Bremsenergierückgewinnung) erfolgt. Sobald ich das Gaspedal lupfe, beginnt der Wagen je nach Fahrmodus zu Verzögern. Will ich das der Wagen rollt oder beschleunigt, trete ich wieder auf das Gaspedal. In Abhängigkeit vom gewählten Fahrmodus lässt sich die britische Raubkatze somit ausschließlich über das Gaspedal beschleunigen und bremsen. Wird stattdessen das Bremspedal betätigt, arbeiten die Scheibenbremsen und die Rekuperation zusammen.

Endlich keine Reichweitenangst mehr

Schwer beeindruckt hat mich während der rund 300 km langen Ausfahrt die Reichweite des Jaguars. Gestartet bin ich die Tour mit rund 390 km elektrischer Restreichweite. Trotz beherztem Gas geben, Benutzen der Klimaanlage sowie des Infotainments sank die Reichweite nur moderat. Ich hatte zu keiner Zeit Angst, mit dem Briten unterwegs liegen zu bleiben oder für mehr Reichweite auf Komfort oder Leistung verzichten zu müssen. Am Ende der Ausfahrt bin ich mit rd. 70 km Restreichweite angekommen. Dies habe ich dem rund 90 kWh großen Akku zu verdanken. Das Modell S von Tesla hat beispielsweise einen ähnlich großen Akku mit rund 100 kWh.

Jaguar I-PACE SE im Fahrbericht

Das elektrische Fahren macht mit dem Briten einfach nur Spaß. Die Federung ist zwar sportlich ausgelegt, bietet aber dennoch ausreichend Komfort. Die Lenkung ist leichtgängig und bietet trotzdem genug Rückmeldung. Die Straßenlage ist gut, auch wenn sich das hohe Gewicht gelegentlich bemerkbar macht. Gerade in schnell gefahrenen Kurven merke ich dem Jaguar seine Masse an.

Gelungener Einstieg in das Segment der Elektroautos

In meinen Augen ist Jaguar mit dem I-PACE ein fulminanter Start im Elektroautosegment gelungen. Der Jaguar ist für mich eines der wenigen echten Konkurrenzmodelle zum Angebot von Tesla. Bei den Kerneigenschaften eines Autos wie Fahrkomfort, Leistung und Reichweite kann mich der Jaguar durchweg punkten. An die Eigenheiten bei der Bedienung könnte ich mich wahrscheinlich gewöhnen. Weniger Hinnehmbar finde ich die etwas unzuverlässigen Assistenzsysteme. Wenn Du einen Jaguar I-PACE kaufen möchtest, musst Du mindestens 70.000,- € parat haben. Einen Marktüberblick kannst Du Dir wie immer mit meiner vorkonfigurierten Suche verschaffen.

Leistungsdaten des von mir gefahrenen Jaguar I-PACE SE

Motor:2 permanentmagneterregte Synchronmaschinen (Elektromotoren)
Kraftübertragung:feste Übersetzung
(Allradantrieb)
Hubraum:---
max. Leistung:294 kW / 400 PS
Beschleunigung von 0-100 km/h:4,8 s
Durchschnittsverbrauch auf 100 km (kombiniert):21,2 kWh
Höchstgeschwindigkeit:200 km/h
Abmessungen (L x B x H):4.682 x 2.011 x 1.565 mm

Text: AS
Fotos: AS

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