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Aufgrund des günstigeren Preises kaufe ich in der Regel immer Gebrauchtwagen. Ein wichtiges Kaufargument für einen hohen oder niedrigen Preis ist dabei in der Regel der Kilometerstand bzw. die Laufleistung des Wagens. Doch wie aussagekräftig ist diese Angabe? Ist weniger mehr? Oder kann auch eine hohe Laufleistung beim Gebrauchtwagen gut sein? Dieses Thema möchte ich in diesem Beitrag beleuchten.

Bereist in meinen Artikel rund um den Gebrauchtwagenkauf bin ich auf das Thema Laufleistung eingegangen und wie sich diese am Auto nachvollziehen lässt. Worauf ich dabei nicht eingegangen bin, ist die Frage, in wie weit eine hohe bzw. niedrige Laufleistung dem Auto zuträglich ist. Was ist bei hohen Laufleistungen zu beachten? Warum ist ein niedriger Kilometerstand bei einem Gebrauchtwagen auch nicht gerade ideal? Mehr dazu möchte ich Dir in diesem Beitrag erklären.

Eine hohe Laufleistung beim Gebrauchtwagen ist nicht zwangsläufig schlecht

Viele Gebrauchtwagenkäufer schrecken vor Fahrzeugen mit hohen Laufleistungen, beispielsweise ab 100.000 km, zurück und sind bereit einen höheren Preis für ein Auto mit geringerer Laufleistung auszugeben. Ich selbst habe mich auch immer an diesen Grundsatz gehalten.

Das muss allerdings nicht zwingend gut sein. Ein guter Freund von mir kauft nur Autos ab einer Laufleistung von 150.000 km und hat bisher nur selten schlechte Erfahrungen damit gemacht. Dazu muss ich sagen, dass er selbst etwas schrauben kann und auch einige Quellen für günstige Ersatzteile hat. Dennoch hat er mich überzeugt, dass es durchaus gute Autos mit hohen Laufleistungen gibt (beispielsweise habe ich hier über einen Audi A6 Avant mit über 300.000 km geschrieben).

Warum Autos mit hohen Laufleistungen gut sein können

Woran liegt das, dass ein Auto auch mit hoher Laufleistung gut sein kann? Aus meiner Sicht gibt es dafür drei Gründe:

  1. Der erste Grund ist, dass gerade Premium-Fahrzeuge und auch Autos aus höheren Fahrzeugklassen auf hohe Laufleistungen ausgelegt sind und daher nicht so schnell kaputt gehen. Heute werden gerade von renommierten Autozeitschriften Dauertests mit Fahrzeugen bis 100.000 km gemacht. Als regelmäßiger Leser solcher Zeitschriften fällt mir auf, dass es nur selten Autos gibt, die bis dahin größere Defekte haben. 
     
  2. Der zweite Grund ist, dass Teile nicht nur unabhängig von der Laufleistung altern, sondern auch durch den Zeitablauf. Letzteres gilt insbesondere für Elektronik. Diese altert mit der Zeit, weil dann elektronische Bauteile in der Leistung nachlassen (z.B. das Lötstellen erkalten oder Kondensatoren austrocknen). So kann ein junger Wagen mit hoher Laufleistung durchaus attraktiv werden.
  3. Ein dritter Grund ist, dass defekte Teile bei Defekten komplett getauscht und kaum noch repariert werden. Somit hat der Wagen an der Stelle des reparierten Teils wieder eine Qualität eines Autos mit geringer Laufleistung. Bis auf wenige schwer austauschbare Teile des Wagens (wie z.B. an der Karosserie) lässt sich somit – unabhängig vom Preis – vieles in einen neuwertigen Zustand versetzen.

Dennoch bleibt ein Auto ein Gebrauchsgegenstand, so dass es gerade mit hohen Laufleistungen immer mehr Gebrauchsspuren am Auto gibt. Insbesondere am Lack sowie im Innenraum an Bedienelementen, die der Fahrer regelmäßig benutzt (zum Beispiel das Lenkrad oder Schalthebel), werden zusehends mehr Abnutzungsspuren zu sehen sein. Das kann auch eine gute Pflege nicht verhindern.

Ein niedriger Kilometerstand ist auch nicht zwingend gut

Bei einem Auto mit einem geringen Kilometerstand von deutlich weniger als 100.000 km sind derartige Gebrauchsspuren natürlich seltener zu finden. Wie ich oben schon angedeutet habe, spielt die Laufleistung beim Gebrauchtwagen allein nicht die ausschlaggebende Rolle.

So kann ein Fahrzeug mit weniger als 60.000 km aber einem Alter von rund 10 Jahren auch Defekte und Probleme mit sich bringen. Beispielsweise kann der Wagen durch die wenigen Kilometer und das lange Herumstehen Standschäden davongetragen haben. Hierbei ist beispielsweise an fest gerostete Bremsen zu denken oder an kaputte, plattgestandene Reifen. Gerade mechanischen Bauteilen tun lange Standzeiten nicht gut. Hier ist es besser, wenn sie regelmäßig laufen. Du siehst also, es gibt sowohl für hohe als auch niedrige Kilometerstände durchaus Pro- und Contra-Argumente.

Es kommt auf den Gesamtzustand von Laufleistung und Alter an 

Im Ergebnis lässt sich also festhalten, dass ein Auto mit hoher Laufleistung nicht schlechter sein muss, als ein Wagen mit geringer Laufleistung. Die Laufleistung ist immer im Zusammenhang mit dem Alter des Wagens zu sehen. Nur beide Kriterien zusammen können bei der Beurteilung eines Wagens sinnvoll herangezogen werden.

Natürlich spielt auch der Gesamtzustand des Wagens eine Rolle. Das optische und technische Erscheinungsbild sollte zu Laufleistung und Alter des Wagens passen. Nicht selten treiben gerade hier Betrüger durch Tachomanipulationen und gefälschte Laufleistungen bei Gebrauchtwagen ihr Unwesen. Allerdings können sie nicht ohne größeren Aufwand technische Defekte oder Gebrauchsspuren kaschieren. Zumindest erfahrene Autokäufer würden hier hellhörig werden (siehe hierzu auch diesen Artikel zu Tricks von Gebrauchtwagenverkäufern). Um Dir wirklich einen guten Eindruck von einem Gebrauchtwagen zu machen, empfehle ich Dir, jemanden mit Erfahrungen beim Autokauf zur Fahrzeugbesichtigung mitzunehmen. Natürlich kannst Du auch gegen entsprechendes Geld auf professionelle Hilfe bei einer TÜV-, DEKRA oder GTÜ-Station in Form eines Gebrauchtwagenchecks zurückgreifen.

Wenn Du mehr zum Kauf eines Gebrauchtwagens erfahren möchtest, schau Dir am besten auch meine Artikelserie zum Gebrauchtwagenkauf an.

Foto: AS
Text: AS

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