Mein erstes Auto war für mich ein Stück Freiheit. Ich bin in Brandenburg in einem Ort mit rund 2.000 Einwohner groß geworden. Der nächst größere Ort mit weiterführenden Schulen, einem Kino sowie Einkaufsmöglichkeiten war für mich bis dahin nur mit dem Bus oder Taxi „Mama“ zu erreichen. Daher habe ich wie fast jeder Jugendliche auf dem Land so früh wie möglich meinen Führerschein gemacht. Nach dem bestehen beider Prüfungen konnte ich zum 18. Geburtstag meinen Führerschein beim Amt abholen. Jetzt fehlte nur noch das passende Gefährt.

Mein erstes Auto

Ich hatte seinerzeit großes Glück, denn meine Eltern wollten gerade ihr altes Auto durch einen neuen Ford Fiesta ersetzen. Ich durfte damals meinen Vater zum Autohaus begleiten und über die Ausstattung sowie Farbe mitentscheiden. Damals wusste ich noch nicht, wie lange mich dieses Auto begleiten würde.

Nach ca. zwei Monaten stand dann der Wagen abholbereit im Autohaus. Ein Lugano-blauer Ford Fiesta mit 80-PS-Benziner, Ghia-Ausstattung, Klimaanlage und CD-Radio. Ich habe das alte Auto zusammen mit meinem Vater hingebracht, abgegeben und den neuen Fiesta in Empfang genommen. Ich durfte auf dem Rückweg sogar ein Stück selber fahren.

Vom Gelegenheits- zum Vielfahrer

Zu Beginn bin ich das neue Auto nur selten gefahren. Aber nach ca. einem halben Jahr war ich immer öfter mit dem Fiesta unterwegs. Die ersten zurückgelegten Wege waren die täglichen Fahrten zur Schule. Erst nach und nach erweiterte ich meinen Aktionsradius. Eine der größten Herausforderungen war für mich damals der Stadtverkehr in Berlin. Während meiner Zeit in der Fahrschule gab es in der Nähe nur eine einfache Ampelkreuzung. Kreisverkehre und mehrspurige Straßen kannte ich nur aus dem Theorieunterricht der Fahrschule. Alleine in Berlin zu fahren war für mich deshalb eine ziemliche Herausforderung. Um das Spurwechseln sowie das Fahren an großen Ampelkreuzungen und Kreisverkehren zu üben, war ich deswegen oft nachts in Berlin unterwegs. Irgendwann fühlte ich mich dann sicher genug und bin regelmäßig nach Berlin zum Bummeln oder Ausgehen gefahren. Dabei habe ich übrigens auch die Freude am Autofahren entdeckt.

Zwischendurch immer wieder ein leichter Crash

Mit mir als Fahranfänger musste mein erstes Auto natürlich einiges aushalten. So hatte ich mit ihm insgesamt vier Unfälle. Beim ersten Mal habe ich die Garagenausfahrt knapp verfehlt und einen der Pfeiler gestreift. Der zweite Unfall geht auf einen anderen Ford Fiesta zurück, der mir bei Glatteis auf einer Landstraße ins Heck gerutscht ist. Den dritten Crash habe ich mitverursacht, indem ich plötzlich und ohne das Auto hinter mir zu beachten einer Wildente ausgewichen. Beim vierten Mal ist mir jemand beim Stop&Go im Berliner Feierabendverkehr hinten rein gefahren. Alle Unfälle brachten Gott sei Dank immer nur leichte Blechschäden mit sich und mein Ford Fiesta konnte immer wieder repariert werden.

Ein Ford für alle Fälle

Mit meinem Ford Fiesta verbinde ich natürlich viele schöne Erlebnisse. So war ich mit meinem kleinen Flitzer mehrmals zusammen mit Schulfreunden (und vermutlich völlig überladen) an der Ostsee. Ich bin mit meinem ersten Auto sicher durch neblige Nächte auf einsamen Landstraßen unterwegs gewesen und habe diversen Hagel- sowie Schneestürmen sicher passiert.

mein erstes Auto Ford Fiesta
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Das Highlight bei all diesen Touren war eine Fahrt auf der A9 von Berlin nach München im Winter 2008/2009. Hier bin ich mit dem letzten Schluck Benzin im Tank bei -10°C an die Autobahntankstelle im Mittelgebirge gerollt und wollte tanken. Leider war aber durch Feuchtigkeit und Kälte das Schloss des Tankdeckels zugefroren. Nach zwei Flaschen Schloss- und einer Sprühflasche Scheibenenteiser sowie 20 Minuten Arbeit und Fluchen bei eisigen Temperaturen habe ich den Tankdeckel schließlich zum Tanken aufbekommen.

In 10 Jahren nur eine Panne

Natürlich habe ich mein erstes Auto gehegt und gepflegt. Alle zwei Wochen habe ich es von Hand gewaschen und alle sechs Monate sogar poliert. Auch alle Wartungsintervalle wurden strikt eingehalten und notwendige Reparaturen zeitnah erledigt.

Auf all diesen Fahrten hat mich der Ford Fiesta dann nur ein einziges Mal im Stich gelassen. Durch eine defekte Dichtung ist bei einer Unterbodenwäsche Wasser ins Motorsteuergerät eingedrungen. Der daraus resultierende Kurzschluss hat kurze Zeit später für einen Totalausfall des Autos gesorgt. Nach dem eine Spezialfirma das Steuergerät in Stand setzen konnte, war mein Ford Fiesta dann wieder fahrtüchtig.

mein erstes Auto Ford Fiesta

Alles hat seine Zeit

Nach dem Studium und den Einstieg in den ersten richtigen Job war dann genug Geld da, um mir ein neues Auto zu kaufen. Ich habe mir damals den Traum von einem BMW 1er Coupé erfüllt. Dafür habe ich meinen Ford Fiesta – wenn auch schweren Herzens – nach 10 Jahren und knapp 100.000 km an eine kleine Familie in Berlin verkauft. Hoffentlich leistet er ihnen heue noch genauso treue Dienste wie mir.

Dieser Artikel ist ein Beitrag zu meiner eigenen Blogparade.

Text: AS
Fotos: AS

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