Mit dem Wechsel zur dritten Generation wurde die A-Klasse grundlegend überarbeitet. Das neue Modell der vierten Generation (W177), dass seit 2018 erhältlich ist, wirkt im Vergleich dazu eher wie eine Weiterentwicklung. Dennoch bringt die A-Klasse interessante Neuerung mit – wie beispielsweise den Sprachassistenten „MBUX“. Bei einer Ausfahrt mit einem Mercedes-Benz A 220 (W177) konnte ich mir vom aktuellen „Baby-Benz“ einen Eindruck verschaffen.

Die erste A-Klasse von Mercedes-Benz war anders, als alles was der Stuttgarter Autobauer bis dahin auf die Räder gestellt hatte. Einen Mercedes im Kleinwagenformat hatte es bis dahin nicht gegeben. Technisch war die A-Klasse aufwendig konstruiert mit der hohen Karosserie sowie dem Sandwichboden, der teilweise die Antriebstechnik des Frontantriebs beherbergte. Richtig berühmt wurde der „Baby-Benz“ jedoch, als er beim sogenannten „Elchtest“ in einem schwedischen Autotest umkippte. ESP sei Dank konnten die Stuttgarter diesem Problem aber Herr werden. Seit etwas über einem Jahr steht die A-Klasse nun in der vierten Generation bei den Händlern. Das ursprüngliche Konzept hat Mercedes inzwischen verworfen und die A-Klasse mit der dritten Generation vollkommen neu konstruiert. 

Optisch nur eine behutsame Weiterentwicklung

Optisch ähnelt sie seitdem mehr dem 1er BMW und fügt sich damit in die gewohnten Formen der Kompaktklasse ein. Dazu zählen eine lange Motorhaube, eine nach hinten versetzte Fahrgastzelle sowie eine deutlich niedrigere Fahrzeughöhe. Das eigenständige, aber dennoch sinnvolle Karosseriekonzept mit Sandwichboden ist dabei auf der Strecke geblieben. Im Ergebnis wirkt die A-Klasse der vierten Generation eher wie ein Facelift des Vorgängers als ein komplett neues Modell. Von diesem hat sie den Kühlergrill mit großem Stern, die schmalen Scheinwerfer sowie das rundliche Heck übernommen.

Mercedes-Benz A 220 (W177) im Fahrbericht

Das sprechende Auto wird Wirklichkeit

Die wirkliche Neuerung der vierten Modellreihe erwartet den Fahrer im Innenraum. Dieser ist geprägt von zwei großen Displays, die man bereits seit der S-Klasse von Mercedes kennt. Darin sind das Tacho sowie das Infotainment integriert. Beide Displays sind hochauflösend und hell genug, so dass man sie auch bei grellem Tageslicht gut ablesen kann.

Mercedes-Benz A 220 (W177) im Fahrbericht

Ein Highlight ist der integrierte Sprachassistent „MBUX“. Spreche zum Beispiel das System im Auto mit „Hey Mercedes“ an, fragt es mich danach, was es für mich tun kann. So lassen sich über die Sprachbedienung – ähnlich wie bei Apples Siri – Fahrzeugfunktionen steuern oder auch Informationen aus dem Internet abfragen. Da das System technisch nach dem gleichen Prinzip wie bei Apple funktioniert, braucht die A-Klasse für die volle Funktionsfähigkeit permanenten Internetzugang. Die Sprachbefehle werden nämlich an einen Server gesandt, wo sie analysiert und dann die verstandenen Befehle zurück an das Auto gesandt werden. 

Bei der Materialgüte gibt es noch Luft nach oben

Das Cockpit der Mercedes-Benz A-Klasse ist darüber hinaus modern und ansprechend gestaltet. Vorbei sind die Zeiten, in denen das Interieur eines Mercedes wie Omas gute Schrankwand wirkte. Abstriche muss man hingegen bei der Materialauswahl machen. Nicht alles was hochwertig aussieht, fühlt sich beim Anfassen auch hochwertig an. So entpuppen sich manche Flächen im Innenraum beim Anfassen als schnödes Hartplastik.

Mercedes-Benz A 220 (W177) im Fahrbericht

Etwas irritiert hat mich der einfach wirkende Wählhebel des Doppelkupplungsgetriebes, der wie ein dicker Plastikstrohhalm neben dem Lenkrad herausragt. Da kennt man von der Konkurrenz hochwertigere Lösungen. Es ist also nicht alles so, wie ich es von einem Mercedes erwarten würde.

Ansonsten fühle ich mich in der A-Klasse untergebracht. Auf den gut ausgeformten Sitzen ist angenehm sportlich tief platziert. Das Armaturenbrett schmiegt sich um einen drumherum. Auf den hinteren Sitzplätzen geht es erwartungsgemäß etwas enger zu. Erwachsene können sich darauf aber für kürzere Strecken durchaus angenehm einrichten.

Beim Fahren überzeugt der Mercedes-Benz A 220 (W177)

Beim Fahren schlägt dann die Stunde des neuen Fahrzeugkonzepts. Durch den niedrigen Schwerpunkt vermittelt die A-Klasse einen sportlichen Charakter. Sie lässt sich agil bewegen. Trotz Frontantrieb halten sich die Antriebseinflüsse in der Lenkung in Grenzen.

Erfreulicherweise hat die A-Klasse von ihrem Vorgänger nicht das straffe Fahrwerk übernommen. Wurde der Vorgänger noch für sein hartes Abrollen kritisiert, kann ich dem neuen Modell nun einen angenehmen Federungskomfort bescheinigen.

Starker Turbo-Vierzylinder mit 190 PS

Überrascht hat mich ebenfalls der Vierzylinder-Benzinmotor des Mercedes-Benz A 220 (W177). Im Stand und beim Dahinrollen ist er kaum zu hören. Beim Beschleunigen liefert er nicht nur homogene Leistung, sondern auch einen angenehmen Klang. Außerdem verfügt der Motor mit 190 PS über ausreichend Reserven, um auch auf Autobahnen zügig voran zu kommen. Dazu passt das gut abgestimmte Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Wie Bauart bedingt üblich, benötigt es eine kleine Gedenksekunde, ehe es ein einkuppelt und den Wagen losrollen lässt. Es ist aber kein Vergleich zum trägen Anfahren, wie ich es noch von meinem VW CC kenne. Darüber hinaus überzeugt das Getriebe mit weichen, fast unmerklichen Schaltvorgängen.

Mercedes-Benz A 220 (W177) im Fahrbericht

Die A-Klasse ist ein eher teures Vergnügen

In Summe ist die A-Klasse der Baureihe W177 eine gelungene Weiterentwicklung des Vorgängermodells. Mit dem Modellwechsel wurden die Schwächen ab- und die Stärken ausgebaut. Schade ist jedoch, dass Mercedes mit der neuen Konstruktion die Vorteile der früheren Modelle über Bord geworfen hat. Das Sandwichbodenkonzept hätte bei der Elektrifizierung der Flotte sicherlich seine Vorteile gehabt. In der B-Klasse ist diese Konstruktion übrigens weiterhin zu finden.

Leistungsdaten des von mir gefahren Mercedes-Benz A 220 (W177)

Erwartungsgemäß ist der Einstiegspreis für die aktuelle A-Klasse recht hoch. Der Gebrauchtwagenmarkt bietet jedoch schon eine gute Auswahl, so dass A-Klassen mit wenigen Kilometern bereits ab rund 27.000,- € erhältlich sind. Einen Überblick kannst Du Dir wie immer mit meiner vorkonfigurierten Suche verschaffen.

Motor:Vierzylinder-Benzinmotor
Kraftübertragung:Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
(Vorderradantrieb)
Hubraum:1.991 cm³
max. Leistung:140 kW /190 PS
Beschleunigung von 0-100 km/h:6,9 s
Durchschnittsverbrauch auf 100 km (kombiniert):6,3 l
Höchstgeschwindigkeit:240 km/h
Abmessungen (L x B x H):4.419 x 1.796 x 1.440 mm

Text: AS
Fotos: AS

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