Viele Gebrauchtwagenhändler versuchen dem Kunden so gut es geht zufrieden zu stellen. Dennoch liest oder hört man immer wieder von schwarzen Schafen, die die Unwissenheit von Käufern ausnutzen. In diesem Beitrag möchte ich meine Erfahrungen mit Dir teilen, damit Du auf entsprechende Tricks beim Gebrauchtwagenkauf vorbereitet bist.

Ein Auto – ob nun neu oder gebraucht – zu kaufen ist für viele etwas Besonderes. Entsprechend gut wird überlegt, welches Modell mit welcher Ausstattung am besten zum eigenen Bedarf und Budget passt. Da man gleichzeitig auch noch eine Menge Geld investiert, möchte man möglichst nichts falsch machen. Um nicht einem unseriösen Gebrauchtwagenhändler auf den Leim zu gehen, solltest Du folgende Praktiken kennen:

Das Auto wird im Kundenauftrag verkauft

Diese Formulierung bedeutet, dass das Auto nicht dem Händler sondern einem Bekannten bzw. Kunden gehört, in dessen Auftrag das Auto verkauft wird. Hintergrund für diesen Hinweis vom Händler ist, dass er den Wagen nicht gewerblich verkauft sondern nur als Vermittler auftritt. Auf diesem Wege wird gern versucht die gesetzliche Gewährleistung für eventuell auftretende Mängel auszuschließen. Hier ist also Vorsicht geboten.
Wenn ein Händler darauf hinweist, dass der Wagen im Kundenauftrag verkauft wird, versuche möglichst weitere Informationen zu erfragen, wie z.B.

  • Wer ist der Kunde?
  • Ist es möglich mit dem Eigentümer in Kontakt zu treten?
  • Warum verkauft der Kunde das Auto nicht selbst oder hat den Wagen in Zahlung gegeben?

Die letzten beiden Dinge sind eigentlich die üblichen Verkaufspraktiken. In jedem Fall solltest Du Dir sehr gut überlegen, ob Du mit diesem Händler wirklich ins Geschäft kommen möchtest. Denn wenn nach dem Kauf ein Problem mit dem Wagen auftritt, kannst Du den Händler nicht oder nur schwer belangen.

Gebrauchtwagenhändler verweigert Probefahrt oder Überprüfung in einer Werkstatt

Eine Probefahrt ist für mich Pflicht vor jedem Autokauf. Nur so kannst Du überprüfen, ob der Wagen das hält, was in der Anzeige versprochen wird. Bei der Probefahrt ist es wichtig, möglichst alles Technische auszuprobieren und zu testen (Bremsen, Lenkung, Getriebe, Sonderausstattung, etc.). Verweigert der Händler eine Probefahrt, ist mit dem Auto vermutlich irgendetwas nicht in Ordnung. Ich würde dann sofort Abstand vom Kauf nehmen.

Gerade bei älteren Autos sollte Dir der Händler auch ermöglichen, den Wagen durch einen sachverständigen Dritten (Werkstatt oder Prüforganisation) überprüfen zu lassen. So war ich seinerzeit vor dem Kauf meines Jaguars bei einer Vertragswerkstatt und habe den Wagen dort für einen überschaubaren Betrag durchsehen lassen. Es empfiehlt sich bei der Durchsicht dabei zu sein, um aus erster Hand zu erfahren, was bei dem Auto (positiv wie negativ) auffällig ist.
Ermöglicht Dir der Händler keine Überprüfung, solltest Du auch hier vom Kauf absehen.

Qualität des Gebrauchtwagens weicht von Fotos / Anzeige ab

Gerade wenn Dein Wunschauto weiter entfernt ist und Du lange dafür anreisen musst, kannst Du in diese Falle tappen. Du stehst vor der ersten Besichtigung und Probefahrt in intensivem Kontakt mit dem Händler. Du hast Fotos gesehen und Ihr könnt Euch bereits auf einen Preis einigen. Wenn Du dann angereist bist, schaut Dein Wunschauto vielleicht nicht mehr so gut aus oder weist zusätzliche Mängel auf. Komme hier nicht in Versuchung aufgrund der langen Anreise den Wagen dennoch zu kaufen. Die Gefahr ist groß, dass Du mit dem Auto noch weitere Überraschungen erleben wirst.
Aus eigener Erfahrung empfehle ich hier ggf. zwei Mal die Anreise in Kauf zu nehmen. Bei der ersten Reise kannst Du das Auto bei einer Probefahrt genau unter die Lupe nehmen. Nebenbei kannst Du dem Händler persönlich auf den Zahn fühlen. Wenn alles zusagt, kann der Verkäufer alles zum Kauf vorbereiten und bei der zweiten Reise tauscht Du dann Geld gegen Auto mit.

In diesem Zusammenhang möchte ich kurz auf zwei weitere Praktiken eingehen:

Tachomanipulation

Einige unseriöse Händler manipulieren den Tacho des Wagens um einen höheren Preis zu erzielen. Die Manipulation kann technisch nur schwer nachgewiesen werden. Am ehesten kannst Du dieser Falle noch entgehen, in dem Du Dir die Fahrzeugunterlagen sowie den Allgemeinzustand des Autos genauer ansiehst.

Unfallfreiheit

Nicht immer gibt ein Händler Unfälle an einem Wagen offen zu. Gerade bei älteren Autos, die schon durch viele Hände gegangen sind, sind meist nur selten Dokumentationen über Unfälle vorhanden. Selbst kann man Unfälle nur mit ausreichend Sachverstand nachweisen. Einige Tipps hierzu habe ich bereits in einem früheren Beitrag gegeben.

Auto wird im Vertrag als Bastler- oder Schrottauto verkauft

Wenn das Auto Deinen Vorstellungen entspricht und Du Dir mit dem Gebrauchtwagenhändler einig geworden bist, folgt in der Regel ein Kaufvertrag (bei Vertragshändlern auch Bestellung genannt). Achte hier auf alles, was in dem Vertrag notiert ist. Unseriöse Händler können versuchen Dich noch auf den letzten Metern zu übervorteilen. Insbesondere kann erneut versucht werden die Gewährleistung zu umgehen. Mögliche Fallen sind zum einen, dass ein anderer, bisher unbekannter Verkäufer im Vertrag genannt ist, und zum anderen, dass das Auto als „Bastlerobjekt“, „Schrottauto“ oder mit „gekauft wie gesehen“ ausgewiesen wird. Tauchen solche Passagen im Vertragsangebot auf, nimm Abstand vom Kauf.

Was ist Euch schon bei einem Gebrauchtwagenkauf passiert? Welche Praktiken habt Ihr erlebt? Ich freue mich auf Eure Kommentare.

 

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