Wer sein Auto schon einige Jahr (-zehnte) fährt, fühlt sich in einem modernen Wagen wie in einer anderen Welt. Was früher noch mechanisch oder analog gelöst war, ist heute mit moderner Fahrzeugelektronik umgesetzt. Eine Freundin von mir erlebte vor kurzem, wie man sich dabei umstellen muss.

Sie erzählte mir vor einigen Tagen bei einem Kaffee von ihrer Reise nach Italien, für die sie einen Mietwagen gebucht hatte. In Deutschland fährt sie eine alte C-Klasse von 1998. Für ihre Italienreise hatte sie sich ein aktuelles Modell der Kompaktklasse mit Schaltung gebucht.

Nach dem am Flughafen vor Ort alle Formalitäten geklärt hatte, wollte sie zu ihrem Mietwagen und einfach nur los in Richtung Hotel fahren. Doch es kam anders als gedacht.

Wie geht doch gleich der Wagen auf?

Die erste Hürde stellte bereits der Schlüssel dar. Am Türgriff war kein Schloss und am Schlüssel kein Bart zu sehen. Also probierte sie alle Knöpfe auf dem Schlüsselblock aus. Als zunächst nur die Kofferraumklappe aufging, öffneten sich anschließend auch die Fahrzeugtüren.

Koffer und Fahrerin waren verstaut, doch was nun? Um den Mietwagen zu starten, fehlten wieder ein Schlüsselloch und der dazu passenden Schlüssel. Stattdessen klaffte ein rechteckiges Loch im Armaturenbrett, das die ungefähren Ausmaße des Schlüsselblocks hatte. Also rein mit dem modernen Schlüssel und … nichts passiert. Auf der Mittelkonsole fand sich dann ein Knopf, auf dem „Start/Stop Engine“ stand – mit dem sich dann der Motor starten lies. Die zweite Hürde war genommen.

Gott sei Dank ist die Gangschaltung noch mechanisch

Jetzt nur noch Ausparken und los geht’s. Der Weg nach vorn, war durch ein anderes Auto blockiert, also blieb nur rückwärts ausparken. Doch wie bekommt man nun den Rückwärtsgang rein?

Aus ihrem Mercedes kannte sie es, dass man den Schalthebel zum Einlegen des Rückwärtsganges hochziehen muss. Allerding ließ sich der Schalthebel weder hoch ziehen noch herunter drücken. Der Rückwärtsgang ging trotz kuppeln einfach nicht rein. Da die Bedienungsanleitung auf Italienisch auch nicht weiterhalf, blieb als Option nur noch der Weg zum nächsten Mitarbeiter der Mietwagenfirma übrig. Also stieg sie aus, marschierte zum Tresen, um dort zu erfahren, dass man einen Ring unterhalb des Knaufs hoch ziehen muss um den Gang einzulegen. Wieder im Auto angekommen, konnte sie endlich den Motor starten, den Rückwärtsgang einlegen und … eine Warnlampe im Kombiinstrument machte sie noch stutzig.

Handbremse ohne Hebel?

Offensichtlich war die Handbremse noch angezogen. Doch beim Blick auf die Mittelkonsole war kein Handbremshebel zu entdecken. Auch ein Pedal im Fußraum fehlte ebenso wie ein Griff zum Lösen, wie sie es aus ihrem alten Mercedes kannte. Schließlich fand sie einen Schalter in der Mittelkonsole, der leuchtete und auf dem ein „P“ in einem Kreis dargestellt war. Sie zog kurz daran, im Auto surrte es kurz, die Warnlampe ging aus. Jetzt konnte sie endlich losfahren.

Meine Freundin meinte, dass sie dieser ganze Vorgang über eine halbe Stunde an Zeit gekostet hat. Ich musste schon sehr schmunzeln, als sie mir die ganze Geschichte erzählt hat. Ich hatte mich über mehrere Autos inzwischen an die ganze Fahrzeugelektronik gewöhnt. Für sie war die Umstellung von alter auf neuer Technik so unverhofft, dass es sie fast die Urlaubsfreude gekostet hätte.

 

Text: AS
Foto: AS

Kommentiere diesen Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here