Bei dem gestrigen Unwetter in Berlin war es spannend zu sehen, wie Autofahrer versuchten mit ihrem Wagen durch die Wassermassen zu kommen. Einige haben die Fluten erfolgreich passiert. Bei anderen wiederum endete die Fahrt mit einer Seenotrettung. Eine Reportage über die Situation und die verzweifelten Versuche sich mit dem Auto einen Weg durchs Wasser zu bahnen.

Starke Unwetter sind (noch) eine Ausnahme in Berlin

Was sich gestern bei mir vor der Haustür in Berlin abgespielt hat, war unglaublich. Bei dem Unwetter regnete es wie aus Eimern und das Wasser staute sich zusehends auf den Straßen. Nach ca. 30 Minuten war der Pegel auf der Straße vor meiner Haustür so hoch, dass zwischen den Bordstein ein fließender Strom entstand. Laut Nachrichten sind im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf innerhalb weniger Stunden rd. 100 l/m² an Regen gefallen. Der pragmatische Fußgänger in Berlin ist kurzer Hand auf Badelatschen, Shorts und Müllbeutel (als Regencape) umgestiegen. Viele Autofahrer konnten mit den Wassermengen weniger gut umgehen.

Rettung auf Gehwege und Mittelinseln

Bei Unwettern ist mit überfluteten Straßen zu rechnen. Irgendwie wollten oder konnten viele in Berlin gestern ihr Auto nicht stehen lassen und versuchten sich einen Weg durch die Wassermassen zu bahnen. Einige Autofahrer sind furchtlos nach dem Motto „Augen zu und durch“ über die gefluteten Straßen gefahren. Die SUV-Fahrer kamen dabei noch sorglos davon. Anders sah es bei Fahrern von normal hohen Autos aus. Durch die sich bildende Bugwelle drang irgendwann Wasser in den Motorraum, so dass die Fahrt dann ein schnelles Ende nahm. Hektisch sprang man dann aus dem Auto und versucht das gute Stück durch Schieben irgendwie ins Trockene zu bekommen. Fahrer und Wagen erreichten mithilfe von Passanten dann meist das rettende Ufer – was hier Gehwege oder Mittelinseln waren.

Reportage Autos in Seenot nach Unwetter

Die Besonnenen kamen am besten voran

Besonnene Fahrer kamen während des Unwetters besser voran. Diese blieben in der Regel kurz vor den Wasserströmen auf der Straße stehen und schätzten die Höhe des Wasserpegels ab. Einige dreht dann um und suchten einen neuen Weg. Andere wagten die Passage durch die Fluten. Ich konnte beobachten, dass diejenigen am besten durch kamen, die langsam fuhren und darauf achteten nicht zu viel Wasser vor der Motorhaube herzuschieben.

Auch bei stehenden Autos waren unterschiedliche Rettungsmanöver zu sehen. Die einen versuchten mit Stöckern den Gully dazu zu bewegen, dass er wieder Wasser schluckt. Die anderen sprangen kurzerhand ins Auto und fuhren zu höheren Straßenabschnitten – sofern der Wagen überhaupt noch ansprang. Pech hatte derjenige, die im Urlaub oder anderweitig unterwegs waren und aus der Ferne nichts für ihr parkendes Auto tun konnten. Hier kommt die böse Überraschung nach der Rückkehr.

Der Morgen danach

Nach dem das Unwetter über Nacht an Intensität verloren hatte und das Wasser abgelaufen war, bot sich mir heute Morgen ein kurioses Bild. In der Stadt waren überall kreuz und quer verlassene Autos verteilt. Einige Seenotopfer standen noch auf der Straße und wurden bereits von Abschleppwagen eingesammelt. Die geretteten Fahrzeuge verteilten sich mehr oder weniger gleichmäßig auf Gehwegen, Rampen und Verkehrsinseln. Inzwischen hat sich die Situation wieder beruhigt. Nach den ersten Aufräum- und Reinigungsarbeiten etabliert sich wieder ein normales Straßenbild.

 

Text: AS
Fotos: AS

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