Der Smart der ersten Generation wurde oft verkannt und belächelt. Inzwischen ist die dritte Generation auf unseren Straßen unterwegs. Auch wenn das individuelle Design und damit manche Eigenheiten geblieben sind, ist der Smart über die Jahre gereift. Ich konnte einen knallorangen Smart Fortwo Passion bei einer Ausfahrt auf den Zahn fühlen.

Ich muss gestehen, auch ich habe mich über den ersten Smart lustig gemacht. Hätte ich mir damals ein Auto aussuchen müssen, wäre mir als letztes der Smart in den Sinn gekommen. Mir war die Karosserie zu klein, der Motor zu laut, das Getriebe zu ruppig. Das Konzept überzeugte mich einfach nicht.

Dennoch fand der Smart in seiner ersten Generation viele Käufer, so dass sich der Mutterkonzern Daimler für eine Fortsetzung der Idee entschied. Seit Ende 2014 ist nun die dritte Generation (intern 453) erhältlich. Diese hält optisch an den Eigenheiten des Urmodells fest, ist aber in Sachen Fahrkomfort, Antrieb und Abmessungen erwachsener geworden. Entwickelt und gebaut wird der Smart gemeinsam mit Renault und teilt sich deswegen auch die Basis mit dem aktuellen Renault Twingo.

Trotz Kooperation mit Renault typisch Smart

Beim Äußeren des aktuellen Modells ist immer noch die für den Smart typische Tridion-Sicherheitszelle zu erkennen. Sie ist sozusagen die tragende Karosserie des Smart und soll mit ihren hochfesten Stählen einen ähnlichen Insassenschutz bieten, wie größere Autos mit deutlich mehr Knautschzonen. Erkennbar ist die Sicherheitszelle beim Außendesign an der markenten, breit zulaufenden B-Säule. Ein Großteil der restlichen Karosserie besteht wie die erste Generation aus Kunststoffverkleidungen.

Smart Fortwo Passion (453) Fahrbericht

In der jüngsten Generation ist der Smart Fortwo im Vergleich zum Urmodell deutlich gewachsen. Der allgemeine Kundenwunsch nach mehr Platz und Komfort sowie auch gesetzliche Auflagen (z.B. zum Fußgängerschutz) fordern ihren Tribut. So bringt es der Smart Fortwo Passion heute auf stattliche 2,69 m Außenlänge und 1,66m Breite.

Verspieltes Design im Exterieur und Interieur

Bei der Optik ist vieles eher verspielt und freundlich gestaltet. So schaut der Smart Fortwo mit seinen großen Scheinwerfern (mit LED-Tagfahrlicht) sowie dem breiten Kühlergrill freundlich in die Welt. Für mich ist das eine nette Abwechslung zu den Autos anderer Hersteller, die zusehends böser dreinblicken. In dem knalligen Orange mit schwarzen Kontrastelementen ist der Smart Fortwo Passion jedenfalls echter Hingucker.

Smart Fortwo Passion (453) Fahrbericht

Im Innenraum setzt sich der Spieltrieb fort. Aus der ersten Generation hat der aktuelle Smart das halbmondförmige Tacho ebenso übernommen, wie die auf dem Armaturenbrett sitzenden Lüftungsdüsen. Ansonsten wirkt das Interieur auf mich ordentlich. Die Bedienung gibt mir keine Rätsel auf.

Die kleine Karosserie fordert Kompromisse

Aus meiner Sicht muss man jedoch beim Smart Abstriche in Sachen Detailliebe und Verarbeitungsqualität machen. Zum Beispiel wirkt auf mich die Konstruktion der nach unten öffnenden Heckklappe sowie der getrennt zu öffnenden Heckscheibe bei so einem kleinen Fahrzeug deplatziert. Die Größe des Autos sowie das damit begrenzte Preisniveau zeigen mir, dass die Ingenieure an einigen Stellen Kompromisse eingehen mussten.

Smart Fortwo Passion (453) Fahrbericht

Kein Kopfnicken mehr bei Schaltvorgängen

Beim Fahren hat mich der Smart Fortwo Passion positiv überrascht. Trotz der kleinen Abmessungen fährt sich der Kleinstwagen erstaunlich erwachsen. Vor allen Dingen durch das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe hat der Smart an Fahrkomfort gewonnen. Vorbei sind die Zeiten des Urmodells, bei dem man bei mehrere Gangwechseln Sorge haben musste, durch das Schaukeln der Karosserie Seekrank zu werden.

Gekoppelt ist das Getriebe an einen Benzinmotor mit 1,0-Liter-Hubraum – verteilt auf drei Zylindern. Der Motor trommelt zwar im Leerlauf etwas, hält sich aber während der Fahrt weitestgehend im Hintergrund. Die Fahrleistungen von 71 PS empfinde ich für den Stadtverkehr sowie kurze Autobahnetappen als ausreichend.

Erstaunlicher Weise haben es die Ingenieure beim Smart Fortwo der dritten Generation geschafft, den Wendekreis trotz größerer Abmessungen nochmals zu verkleinern – und zwar auf 7,30 m. Da vorn kein Motor sitzt, können die Vorderräder weiter eingeschlagen werden. So fährt und parkt sich der Smart in der Innenstadt äußerst einfach.

Verbesserungsbedürftig bleibt für mich lediglich der Federungskomfort. Aufgrund des kurzen Radstandes hoppelt der Smart über kurze Unebeneinheiten hinweg.

Unschlagbar in der Innenstadt

Trotz meiner anfänglichen Zweifel gegenüber dem Smart konnte mich die dritte Generation durchaus überzeugen. Als Auto für maximal zwei Personen ist der Smart für den Stadtverkehr wirklich ideal. Inzwischen hat er soweit an Komfort gewonnen, dass ich mir mit ihm sogar Landausflüge in die nähere Umgebung vorstellen könnte. Auch wenn das Design freundlich und poppig gestaltet ist, trifft es nicht ganz meinen Geschmack. Ich bevorzuge eine klassischere Farbgebung und Formensprache.

Günstiger Kleinstwagen, aber Vorsicht bei der Elektronik

Bei der Langlebigkeit erhält der Smart Fortwo kein tadelloses Zeugnis. Das aktuelle Modell wird immer wieder von Elektronikmängeln geplagt (siehe hierzu auch den Langzeittest der Autobild). Gebraucht ist ein Smart Fortwo mit überschaubarer Laufleistung bereits ab 6.000,- € erhältlich. Einen Marktüberblick kannst Du Dir wie immer mit meiner vorkonfigurierten Suche verschaffen.

Leistungsdaten des von mir gefahrenen Smart Fortwo Passion (453)

Motor:3-Zylinder-Benzinmotor
Kraftübertragung:6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
(Heckantrieb)
Hubraum:1.240999 cm³
max. Leistung:52 kW / 71 PS
Beschleunigung von 0-100 km/h:15,1 s
Durchschnittsverbrauch auf 100 km (kombiniert):4,1 l
Höchstgeschwindigkeit:151 km/h
Abmessungen (L x B x H):2.695 x 1.663 x 1.543 mm

 

Text: AS
Fotos: AS

 

 

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