Bei der Versicherung eines Autos kann man sich irgendwann die Frage stellen, ist es neben der Haftpflichtversicherung noch sinnvoll eine Vollkaskoversicherung abzuschließen? Je nach Auto, Fahrverhalten und Lebenssituation kann eine Teilkasko- oder Vollkaskoversicherung durchaus ratsam sein. In diesem Beitrag erkläre ich Dir die Unterschiede beider Versicherungen und verrate Dir, wann eine Teilkasko- oder Vollkaskoversicherung jeweils Sinn macht.

Der Gesetzgeber schreibt dem Autohalter nur eine Haftpflichtversicherung vor. Diese deckt selbstverursachte Schäden an fremden Sachen oder Personen ab. Eine Teilkasko- oder Vollkaskoversicherung ist dagegen freiwillig und deckt in jeweils unterschiedlichem Umfang Schäden am eigenen Auto ab. Dabei ist die Teilkaskoversicherung die günstige Alternative, bei der man aber Abstriche bei den Versicherungsleistungen hinnehmen muss. Die Vollkasko kann dagegen (je nach Tarif) zu einem Rund-um-Sorglos-Paket geschnürt werden, was wiederum auch entsprechend bezahlt werden möchte. Wann solltest Du also was abschließen?

Wann ist eine Teilkaskoversicherung ratsam?

Eine Teilkaskoversicherung deckt nur Schäden ab, die der Autofahrer selbst nicht verursacht hat. Dazu gehören beispielsweise Wildunfälle, Diebstahl, Elementarschäden durch beispielsweise Unwetter, Brand, Explosion, Kurzschluss sowie Glasbruch.

Ein großes Manko bei der Teilkaskoversicherung ist, dass selbstverschuldete Unfälle und damit einhergehende Schäden am eigenen Auto nicht abgedeckt sind. Wenn Du also mit einem Teilkasko versicherten Auto einen Unfall baust, musst Du für die Schäden an Deinem Wagen selbst aufkommen. Übrigens sind Vandalismusschäden oder Marderbisse ebenfalls von der Deckung ausgenommen.

Ausschlaggebend für die Frage, ob sich eine Teilkaskoversicherung lohnt, ist daher der Wert des eigenen Autos im Verhältnis zu den Kosten der Versicherung. Es geht darum, ob Du Dir nach einem Unfall, Totalschaden oder Diebstahl aus eigenen Mitteln einen Ersatzwagen oder die Reparatur finanzieren könntest. Kannst Du Dir das nicht leisten und ist der Aufpreis für die Versicherung im Verhältnis zum Fahrzeugwert OK, rate ich Dir zu einer Teilkaskoversicherung.

Ein Rechenbeispiel

Dein Auto ist rund 7 Jahre alt und hat noch einen Wert von schätzungsweise 6.000 €. Die Teilkaskoversicherung würde Dich pro Jahr 120 € kosten. Für 120 € im Jahr wäre also beispielsweise ein Diebstahl Deines 6.000 € teuren Autos versichert. Ein Abschluss der Teilkaskoversicherung ist meiner Meinung nach in diesem Beispiel durchaus vernünftig.

Wann ist eine Vollkaskoversicherung sinnvoll?

Wie der Name schon sagt, deckt eine Vollkaskoversicherung nicht nur die Schäden einer Teilkasko-Versicherung, sondern auch weitere Versicherungsfälle ab. Vor allen Dingen umfasst der Versicherungsschutz selbstverschuldete Schäden am Auto, Vandalismus sowie entstandene Schäden mit Fahrerverflucht (Ausbleiben der Schadenregulierung durch die gegnerische Haftpflicht).

Auch hier spielt folglich das Alter und der Wert Deines Autos in Abhängigkeit von der Versicherungsprämie eine Rolle. Es geht um die Frage, ob Du einen Totalverlust Deines Autos durch zum Beispiel einen selbstverursachten Schaden aus eigenen Finanzmitteln stemmen kannst. Solange Du Dir den Verlust Deines Autos nicht leisten kannst, ist eine Vollkaskoversicherung empfehlenswert.

Ein Rechenbeispiel

Dein Wagen ist schätzungsweise 3 Jahre alt und hat einen Restwert von 20.000 €. Die Vollkaskoversicherung kostet Dich entsprechend Deines Schadenfreiheitsrabattes im Jahr 600 €. Für diesen Betrag ist Dein Auto sowohl gegen fremd- als auch selbstverschuldete Schäden versichert. Eine Vollkaskoversicherung ist in diesem Fall aus meiner Sicht empfehlenswert.

Da die Vollkaskoversicherung selbstverschuldete Schäden abdeckt, empfehle ich auch das Fahrverhalten der Fahrzeugnutzer sowie Deine Lebenssituation (z.B. ob Du Familie hast) mit in den Blick zu nehmen. Wird Dein Auto zum Beispiel oft von Deinen Kindern genutzt, die gerade erst den Führerschein gemacht haben, könnte es zu einer Häufung von selbstverschuldeten Unfällen kommen. Daher kann sich zusätzlich zum oben skizzierten Rechenbeispiel eine Vollkaskoversicherung lohnen.

Außerdem ist eine Vollkasko bei finanzierten oder geleasten Fahrzeugen Pflicht. Hier ist nämlich der Kreditgeber bzw. das Leasingunternehmen Eigentümer des Fahrzeugs. Diese will natürlich bei einem Verlust des Autos nicht ohne Wertersatz dastehen. Daher ist eine Vollkasko-Versicherung hier in den Verträgen meist verbindlich vorgeschrieben.

Vollkasko kann günstiger sein als Teilkasko

Im Vergleich zur Teilkasko gibt es bei der Vollkasko das System der Schadenfreiheitsklassen. Dadurch besteht die Möglichkeit, durch viele Jahre ohne regulierte Schäden den Versicherungsbeitrag zu senken. Dieses Rabattsystem gibt es bei der Teilkaskoversicherung nicht. Daher ist es möglich, dass bei vielen Jahren ohne Schäden die Vollkasko günstiger als die Teilkasko ist.

Bei Deinen Überlegungen kannst Du Dich übrigens auch an folgender Faustregel orientieren: Eine Vollkaskoversicherung ist in den ersten 5 Jahren des Fahrzeuglebens am sinnvollsten. Ab 5 Jahre lohnt sich dann eher eine Teilkaskoversicherung.

Wesentliche Unterschiede Teilkasko- und Vollkaskoversicherung im Überblick

TeilkaskoversicherungVollkaskoversicherung
Brand oder ExplosionBrand oder Explosion
DiebstahlDiebstahl
ElementarschädenElementarschäden
HaarwildschädenHaarwildschäden
GlasbruchGlasbruch
Kurzschluss bei KabelnKurzschluss bei Kabeln
selbstverschuldeter Unfall
Vandalismus
Fehlende Haftbarkeit des Verursachers

Übrigens ist im November die ideale Gelegenheit seine KFZ-Versicherung zu überprüfen. Bis zum 30.11. eines jeden Jahres können die Versicherungspolicen nämlich mit Wirksamkeit zum Jahresende gekündigt werden.

 

Text: AS
Foto: AS

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