Die Suche der Autohersteller nach immer neuen Nischen führt langsam dazu, dass klassische Fahrzeugformen aussterben. Hierzu zählt in Deutschland auch die Limousine, die aus immer mehr Modellpaletten verschwindet. Warum ist das so? Fahren wir bald alle nur noch SUVs, Crossover und Coupés?

Im Vergleich zu anderen Ländern sind Limousinen in Deutschland weniger gefragt

Wenn ich heute durch die einschlägigen Automagazine blättere, lese ich überwiegend von neuen SUVs und Crossovern. Nur noch sehr selten sticht mir die Vorstellung einer Limousine ins Auge. Im Gegenteil: Neu in den Markt eingeführte Autos – wie beispielsweise der Opel Insignia – werden nach einem Modellwechsel gar nicht mehr als Limousine angeboten. Genauso wie beim Ford Mondeo ist hier die Limousine zu Gunsten von Fließheck und Kombi geopfert worden.  Und auch etablierte Limousinen – wie ein 3er BMW – müssen zusätzlich eine Fließheckvariante (als 3er GT) im Modellprogramm ertragen.

Anders sieht es im Ausland aus. In Südeuropa, Asien und auch in den USA sind Limousinen nach wie vor begehrt. Dort werden Modelle angeboten, die es auf dem deutschen Markt nicht mehr gibt. So ist mir zuletzt in den USA aufgefallen, dass hier der Ford Mondeo (dort „Fusion“ genannt) ausschließlich als Limousine zu sehen ist.

Warum verschwinden die Limousine langsam vom deutschen Markt?

Bieten sie zu wenig Nutzwert? Sind Limousinen zu altmodisch?

Der praktische Nutzwert ist zumindest für mich kein Argument. Jetzt mal Hand aufs Herz: Wie oft werden denn wirklich Regale und Kühlschränke in Fließhecks, Kombis und SUVs verladen?

Ich brauche die große Klappe solcher Modelle im Alltag nie. Eine klassische Limousine reicht mir für alles Notwendige. In Limousinen habe ich schon große IKEA-Einkäufe untergebraucht und selbst den Sperrmüll zum Recyclinghof gefahren. Stattdessen bekomme ich das kalte Grausen, wenn ich mit einem Fließheck in Tiefgaragen unterwegs bin. Die große Klappe schwingt meist so hoch, dass sie zwangsläufig die Decke berührt. Wenn ich sie nicht schnell genug einfange, habe ich kurzerhand eine Delle im Blech.

Auch in Sachen Design gewinnen Limousinen für mich immer das Duell gegen Fließheck, Kombi und SUV. Das klassische Three-Box-Styling, mit Motorraum, Fahrgastzelle und Kofferraum ist an Eleganz bis heute unerreicht. Kombis und SUV tragen den Nutzwert offen zur schau und Fließhecks verhüllen, dass sie gerne Kombis wären.

Vermutlich liegt der Grund für das Aussterben der Limousinen in den potentiellen Möglichkeiten, die Modelle mit großer Heckklappe bieten. Auch wenn kaum einer den Nutzwert von Fließheck, Kombi und SUV wirklich benötigt, ist die Aussicht bzw. Verlockung einfach zu groß, irgendwann mal ein Fahrrad oder einen Kühlschrank einladen zu können.

Es gibt einen Silberstreif am Horizont

Gott sei Dank gibt es einige Lichtblicke auf dem deutschen Automarkt. So bieten die deutschen Premiumhersteller ihre etablierten Modellreihen nach wie vor als Limousine an. Darüber hinaus versuchen sie sich auch mit neuen Limousinen. Ein positives Beispiel hierfür ist der Audi A3, den ich zumindest in Berlin recht häufig als Limousine im Straßenverkehr sehe.

 

2 Kommentare

    • Die klassische Limousine kennzeichnen 4 Türen (an den Seiten) und eine Fahrkabine, die sich deutlich von Kofferraum und Motorhaube in der Höhe absetzt. Man spricht deswegen auch vom Three-Box-Design (1. Box: Motorraum, 2. Box: Fahrerkabine, 3. Box: Kofferraum). Bei Fließhecks geht das Dach „fließend“, d.h. ohne Stufe in den Kofferraum über. Meist haben Fließhecks auch eine sehr große Heckklappe, so dass sie als 5-Türer bezeichnet werden. Coupés haben eine Form ähnlich wie Limousinen, aber klassischer Weise nur 2 Türen. Kombis kennzeichnet eine steil abfallende Heckpartie.
      Durch immer neue Modelle in immer neuen Nischen lassen sich die Fahrzeugkategorien heute nur noch schwer trennen. Beispielsweise gibt es inzwischen auch 4-türige Coupés als Fließheck (siehe VW-Arteon).

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