Der VW Phaeton hatte während seiner Bauzeit keinen leichten Stand. Trotz moderner Technik, viel Komfort und großzügigen Platzverhältnissen konnte er sich gegen die Platzhirsche Mercedes-Benz S-Klasse, BMW 7er und Audi A8 nicht durchsetzen. Dennoch hielt VW 14 Jahre am Flagschiff fest. Warum ich den VW Phaeton 3.0 V6 TDI für ein unterschätztes Flagschiff halte und womit er mich überzeugen konnte, erfährst Du in diesem Fahrbericht.

Der VW Phaeton hatte damals mit der Markteinführung einige technische Innovationen in petto. So war er seinerzeit der einzige Wagen, der je Seite einen getrennten Xenonbrenner für Abblend- und Fernlicht hatte und somit insgesamt vier Xenonlampen verbaut waren. Außerdem war der Phaeton bekannt für seine zugfreie Klimaanlage. Hierzu wurde ein Teil der klimatisierten Luft aus der fein perforierten Oberfläche des Armaturenbretts eingeblasen. Als einziger mir bekannter Wagen konnte man den großen VW auch mit einem selbstleuchtenden Nummernschild am Heck ausstatten. Legendär war auch das sehr komfortable Fahrwerk des VW Flagschiffs, welches über einige Jahr sogar die S-Klasse in diesem Kapitel deplatzierte. Dennoch erreichte der VW Phaeton nie die Stückzahlen einer S-Klasse, eines BMW 7ers und selbst eines Audi A8 nicht. Der große VW führte stets ein Nischendasein. Dennoch hielt Volkswagen insgesamt 14 Jahre an seinem Oberklasseauto fest. Damit der Phaeton über die lange Bauzeit aktuell blieb, gab es insgesamt vier Facelifts (Große Produktaufwertung). Für diesen Fahrbericht war ich mit einem Modell mit dem dritten Facelift unterwegs – und zwar mit einem VW Phaeton 3.0 V6 TDI.

Gewohntes VW Design nur in Groß

Beim Design waren die VW Designer auch beim Phaeton zurückhaltend. Generell ist ja Wolfsburger Design nicht für extravagante Formen, sondern eher für zurückhaltende Geradlinigkeit bekannt. So nimmt der VW Phaeton beim Design viele Anleihen bei seinem Plattformspender Audi A8. Rechteckige geschnittene Frontschneinwerfer sowie ein trapezförmiger Grill dominieren die Front. Das Heck wirkt sehr geradlinig. Die großen Flächen werden einzig durch das VW-Logo und die ebenfalls trapezförmigen Rückleuchten unterbrochen. Von der Seite folgt der große Volkswagen der klassischen Form einer Limousine. So ist der VW natürlich kein Hingucker sondern überzeugt eher mit Understatement.

VW Phaeton 3.0 V6 TDI Fahrbericht

Im Innenraum wartet die gute Stube

Im Innenraum findet die sachliche Gestaltung ihre Fortsetzung. Das Armaturenbrett wirkt im Vergleich zu heutigen Fahrzeugen schlicht und mit den vielen Schaltern sogar etwas altbacken. Ein bisschen erinnert mich das Interieur mit dem vielen Holz und den Ledersesseln an eine gute Stube mit Schrankwand – gemütlich, aufgeräumt, aber irgendwie aus der Zeit gefallen.

Ähnlich „old-fashion“ wirkt auch die Bedienung. Das Navigtionssystem lässt in Grafik und Arbeitsgeschwindigkeit deutliche Rückschlüsse auf seinen Jahrgang zu. Ansonsten haben die Knöpfe und die analogen Instrumente auch ihren Vorteil. So lenken sie weniger vom Verkehrsgeschehen ab. Wichtige Funktionen lassen sich dank separatem Knopf direkt aktivieren, ohne dass umständlich in den Menüs des Infotainments gesucht werden muss.

VW Phaeton 3.0 V6 TDI Fahrbericht

Ein zeitloses Detail sind die versteckten Lüftungsdüsen, die sich hinter Blenden verbergen und sich erst beim Starten des Wagens bzw. der Lüftung zeigen. So etwas habe ich bisher nur beim Jaguar XF wiedergesehen. Auch den Getriebewählhebel in Form eines Schubhebels wie aus einem Airbus wünsche ich mir in modernen Fahrzeugen zurück. So hat man hier noch richtig etwas in der Hand um einen Gang einzulegen und muss nicht an fummeligen Knöpfchen herumspielen wie im neuen VW Golf. Die Verarbeitung, die Materialauswahl sowie auch die Platzverhältnisse sind im Innenraum geben keinen Anlass zu Kritik.   

Sanftes und ruhiges Dahingleiten beherrscht der VW Phaeton

Die große Stunde des großen VWs schlägt natürlich beim komfortablen Autofahren. Sportliches Fahren liegt dem Phaeton aufgrund seiner Größe und Masse weniger. Stattdessen pflegt der VW Phaeton 3.0 V6 TDI auch hier Understatement und verwöhnt er seine Insassen nicht nur mit Ruhe, sondern auch mit großartigem Fahrkomfort. Dazu trägt sowohl die Verbundverglasung als auch die Luftfederung bei. Dennoch lässt sich der VW leichtgängig bewegen. Insbesondere lange Autobahnetappen kann man in VWs Oberklassefahrzeug entspannt abspulen. Ich finde es schade, dass derart komfortable Autos heute immer seltener gebaut werden und stattdessen jedes neue Modell auf noch mehr Sportlichkeit getrimmt wird.

Basisdiesel reicht für komfortables Gleiten aus

Zur angemessenen Fortbewegung trägt auch der 3.0 V6 TDI bei, der als Brot-und-Butter-Motor in vielen Phaetons zu finden ist. Die anderen Triebwerke aus der Modellpalette konnten dauerhaft nicht überzeugen. So war der legendäre V10-Diesel zu schmutzig, der W12 zu durstig und bei den V8-Benzinern rechtfertigte der höhere Preis nicht die geringe Steigerung an Antriebskomfort. Der V6 Diesel bringt es im VW Phaeton in der hier verbauten Ausbaustufe auf immerhin 240 PS und erledigt damit den Sprint von 0 auf 100 km/h in 8,3 Sekunden. Der Top-Speed ist bei 237 km/h erreicht. Der Motor läuft zwar etwas kerniger als die Benziner, gibt seine Kraft aber gleichmäßig ab. Dank serienmäßigem Allradantrieb hat man keinerlei Traktionsprobleme. Die Kraftübertragung erfolgt mittels sanft schaltender Sechsstufenautomatik. In meinen Augen passen Motor und Getriebe sehr gut zum eher gediegenen Charakter des VW Phaeton.

VW Phaeton 3.0 V6 TDI Fahrbericht

Als Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Phaeton aus den letzten Baujahren mit lückenloser Wartungshistorie sein

Mich konnte die Wolfsburger Oberklasse mit seinen inneren Werten durchaus überzeugen. Äußerlich pflegt er für meinen Geschmack jedoch zu viel Understatement. Das Design ist zu zrückhaltend und dem damals gebauten VW Passat zu ähnlich. Mir geht es da vermutlich wie vielen anderen Interessenten. Wenn man schon Geld für ein so teures Auto in die Hand nimmt, sollen anderen das später auf der Straße auch sehen und da möchte man sicherlich nicht auf seinen „VW Passat“ angesprochen werden. Deswegen verkauft sich der VW Phaeton 3.0 V6 TDI auf dem Gebrauchtwagenmarkt genau so schwer wie damals als Neuwagen.

Wer die hohen Wartungs- und Reparaturkosten (siehe hierzu auch meinen Artikel über gebrauchte Luxusautos) nicht scheut, macht mit einem VW Phaeton einen guten Deal. So bekommt man für wenig Geld sehr viel Auto im Vergleich zu den Konkurrenten aus der deutschen Oberklasse. Wichtig ist in jedem Fall eine lückenlose Wartungshistorie um bei einem Werkstattbesuch nicht unangenehm überrascht zu werden. Besonders zu empfehlen sind die Modelle nach dem letzten Facelift, weil bis dahin alle Kinderkrankheiten ausgemerzt waren. Weitere Informationen zu möglichen Mängeln und damit verbundenen Reparaturkosten findest Du hier bei Autoscout24. Die Preise für gebrauchte VW Phaetons mit überschaubarer Laufleistung aus den letzten Baujahren starten übrigens bei etwa 12.000 €. Einen Marktüberblick kannst Du Dir wie immer mit meiner vorkonfigurierten Suche verschaffen.

Leistungsdaten des von mir gefahrenen VW Phaeton 3.0 V6 TDI

Motor:Sechszylinder-Dieselmotor
Kraftübertragung:Achtgang-Automatikgetriebe
(Allradantrieb)
Hubraum:2.967 cm³
max. Leistung:176 kW / 240 PS
Beschleunigung von 0-100 km/h:8,3 s
Durchschnittsverbrauch auf 100 km (kombiniert):8,9 l
Höchstgeschwindigkeit:237 km/h
Abmessungen (L x B x H):5.055 x 1.903 x 1.450 mm

Text: AS
Fotos: RA

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